US-Medienbranche
Business Week: Der Klotz am Bein

McGraw-Hill könnte das altehrwürdige Wirtschaftsmagazin “Business Week” zum Verkauf stellen, um sein Geschäftsportfolio zu bereinigen. Aber viel Geld dürfte die Publikation nicht einbringen. Bei der “Business Week” bröckelt es an mehreren Fronten gleichzeitig. Ein Verkauf zu einem Billigstpreis, bei dem das Magazin mehr oder weiniger intakt bleibt, wäre schon ein vorzeigbares Ergebnis.
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Die altehrwürdige "Business Week" könnte zum Verkauf stehen. Aber die Publikation dürfte nicht viel Geld einbringen. Bei dem US-Magazin bröckelt es an mehreren Fronten gleichzeitig. Und selbst wenn die Wirtschaftszeitschrift mehr oder weniger intakt zu einem Billigstpreis veräußert werden könnte, wäre dies schon ein vorzeigbares Ergebnis.

Die "Business Week" gehört dem Finanzinformationsdienstleister McGraw-Hill. Die Gruppe, die zudem die Rating-Agentur Standard & Poor´s (S&P) mit ihren Research- und Indexgeschäften und einen großen Schulbuch- und Bildungsbereich ihr Eigen nennt, wird von den Investoren unter Druck gesetzt, sich um die Vermögenswerte zu kümmern, die hinter den Erwartungen herhinken.

Während ein Dienst wie Platts, der den Energiesektor bedient, den Bereich Informationen und Medien von McGraw-Hill gestützt hat, hat ihn "BusinessWeek" heruntergezogen. Auch wenn das Magazin seit langem fest etabliert ist, haben sich die Anzeigenseiten im ersten Quartal um 40 Prozent verringert. Bei den Konkurrenzblättern wie "Fortune" und "Forbes" läuft es zwar ähnlich, aber die Entwicklung an sich ist dennoch zermürbend. Die Nachrichtenmagazine mühen sich durch die Bank mit Konzepten ab, wie sie ihre Print- und Online-Angebote umgestalten können, damit sie wieder Geld abwerfen.

Das Magazin war schon in den vorhergehenden Jahren eine Belastung für den Unternehmensbereich. JP Morgan schätzt, dass die "Business Week" im Jahr 20 Mill. Dollar Verluste bei Einnahmen von 100 Mill. bis 150 Mill. Dollar einfahren könnte. Andere Verlustschätzungen gehen von einem Vielfachen dessen aus. Damit bläst dem gesamten Bereich, der im vergangenen Jahr einen Betriebsgewinn von nur 92 Mill. Dollar erreicht hat, ein eisiger Wind ins Gesicht.

McGraw-Hill würde bei einem Verkauf des Magazins auch keine allzu großen Größenvorteile einbüßen. Platts, "Aviation Week" und das für seine Verbraucherumfragen bekannte Unternehmen JD Power überschneiden sich vermutlich nicht stark genug mit der "Business Week", um allzu große Synergien zu bieten.

Es wäre also finanziell sinnvoll für McGraw-Hill, sich den Mühlstein "Business Week " vom Hals zu schaffen. Das zumindest wäre ein positiver Aspekt, denn viel Geld wird ein Verkauf nicht einbringen. Kaum ein anderer Eigentümer wäre wohl bereit dazu, die Publikation in demselben Ausmaß zu subventionieren. Die Belegschaft wurde bereits reduziert. Die größte Hoffung bestünde vielleicht darin, dass ein neuer Eigentümer, der möglicherweise selbst über eine Reihe verwandter Magazine verfügt, die "Business Week" mit an Bord nimmt und genug Synergien erzielen kann, um deren Verluste auszugleichen.

McGraw-Hill könnte lediglich ein wenig bedauern, dass die Gruppe bei einem Verkauf der "Business Week" dann den größten Claqueur für die Rating-Agentur S&P verlieren würde. Es wäre durchaus in Ordnung, wenn in dem Magazin das Kredit- und Aktienresearch der Schwestergesellschaft hin und wieder zitiert würde. Aber in diesem Jahr wurde S&P in Artikeln der "Business Week" doppelt so oft erwähnt wie der Konkurrent Moody´s und drei der bekanntesten unabhängigen Aktienresearch-Firmen zusammen. Wenn das Magazin einen neuen Eigentümer findet, wäre das ein kleiner Aspekt - unter vielen größeren -, der sich wahrscheinlich ändern würde.

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