US-Mittelstandsfinanzierer
CIT – „Mission Impossible“

Die schwer angeschlagene CIT hatte im Juli fast sämtliche Vermögenswerte verpfändet, um in letzter Sekunde eine Finanzierung auf die Beine stellen zu können. Jetzt läuft die Frist für den Mittelstandsfinanzierer ab, seine 30 Mrd. Dollar schwere Schuldenlast umzustrukturieren. Die Chancen dafür stehen schlecht. Ein folgenschwerer Kollaps droht.
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Der US-Mittelstandsfinanzierer CIT wird Mühe damit haben, seine Seele zweimal zu verkaufen. Das schwer ins Wanken geratene Kreditinstitut hatte im Juli fast sämtliche unbelasteten Vermögenswerte verpfändet, um sich in letzter Sekunde eine Finanzierung von drei Mrd. Dollar zu sichern. Am 1. Oktober muss CIT nun einen Plan vorlegen, wie die Verbindlichkeiten über 30 Mrd. Dollar umgeschuldet werden sollen. Die Chancen stehen schlecht, dass die nachrangigen Gläubiger irgendeine Lösung außer der Insolvenz oder einem Verfahren, das einer Insolvenz in der Funktion gleichkommt, akzeptieren werden.

Die drei Mrd. Dollar umfassende Fazilität entsprach einer relativ kurzfristigen Brückenfinanzierung zu hohen Kosten: Die Geldgeber erhalten Libor plus zehn Prozent. Zudem waren belastende Kreditvertragsklauseln vereinbart worden, die die Fähigkeit der CIT, zusätzliche Schulden aufzunehmen und Vermögenswerte ohne die Zustimmung der Kreditanbieter zu verkaufen, einschränken.

Damit mag die Bank zwar ein bisschen Zeit gewonnen haben, aber dennoch braucht die CIT nach wie vor entweder mehr Kapital, oder weniger Schulden, oder beides. Im kommenden Juni werden Schuldtitel über acht Mrd. Dollar fällig, doch der Finanzierer weiß immer noch nicht, wie er sie abbezahlen soll. Und noch mehr Geld wäre notwendig, wenn die CIT weiter im Kreditvergabegeschäft mitmischen und ihr Kapital auf ein Niveau hieven will, das die Aufsichtsbehörden gnädig stimmen würde.

Das Management von CIT und einige der bevorrechtigten Gläubiger könnten sich vielleicht mit der Idee anfreunden, dass die Firma zusätzliche besicherte Darlehen erhält, während sie andere Schuldtitel in Aktienkapital umwandelt. Doch alle Gläubiger ins Boot zu holen, wird schwierig werden. Und neue Kredite könnten das Unternehmen letztendlich noch teurer zu stehen kommen als die Notfazilität vom Juli.

Diese Fazilität sieht jetzt schon kostspieliger aus als das, was die CIT für eine Debtor in possession-Finanzierung zahlen müsste, wenn sie Antrag auf Gläubigerschutz stellen würde. Und einige Gläubiger könnten auch zu dem Urteil kommen, dass eine Insolvenz sie nicht schlechter stellen würde als ein allerletzter Umstrukturierungsversuch, mit dem eine Pleite der CIT abgewendet werden soll.

Die Firma scheint bereits schwer beschädigt zu sein. Ihr Wert könnte sich daher ohnedies auf das beschränken, was im Zuge ihrer Abwicklung eingesammelt werden kann. Die Höllenqualen zu verlängern, indem neue Kredite gewährt werden, scheint also nicht darauf hinauszulaufen, dass mehr beigetrieben werden kann. Eine Zerschlagung, ob innerhalb eines Insolvenzverfahrens oder außerhalb, scheint daher immer wahrscheinlicher zu werden.

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