US-Mobilfunkanbieter
Sprint Palm: Der Lohn der Abstinenz

Die Allianz zwischen dem schrumpfenden US-Mobilfunkanbieter Sprint und dem fast in Vergessenheit geratenen Handy-Hersteller Palm gemahnt an zwei Betrunkene, die sich gegenseitig stützen. Erstaunlicherweise sieht es so aus, als ob beide gleichzeitig abstinent werden wollten.

Die Allianz zwischen dem schrumpfenden US-Mobilfunkanbieter Sprint und dem fast in Vergessenheit geratenen Handy-Hersteller Palm gemahnt an zwei taumelnde Betrunkene, die sich gegenseitig stützen wollen. Die Exklusivrechte von Sprint, bis zum Ende des Jahres das neueste Handy von Palm zu verkaufen, bringen die Gefahr mit sich, dass einer den anderen zu Boden reißen wird. Erstaunlicherweise sieht es so aus, als ob beide gleichzeitig abstinent werden wollten.

Sprint ist in einer erbärmlichen Verfassung. Das Unternehmen hat gerade erst mitgeteilt, dass es im vierten Quartal weitere 1,3 Millionen Abonnenten verloren hat, wodurch die Gesamtzahl jetzt bei knapp über 49 Millionen liegt. Das tut weh und macht es umso schwieriger, die drückende Schuldenlast der Firma zu bedienen. Sprint musste bereits Ende des vergangenen Jahres die Konditionen mit den Kreditanbietern neu aushandeln.

Der Marktanteil von Palm sinkt unterdessen schon seit Jahren beständig. Und der Wettbewerb auf dem Markt für Smartphones, dem Hauptgeschäft von Palm, intensiviert sich. Das Wachstum für Handygeräte wird nach Ansicht der meisten Analysten entweder stagnieren oder schrumpfen. Deshalb stürzt sich nahezu jeder Hersteller auf den immer noch wachsenden Smartphone-Bereich.

Doch es zeichnet sich ab, dass das Tempo, in dem Sprint Kunden verliert, sich schließlich doch abschwächt. Die meisten abtrünnigen Kunden finden sich im Unternehmensbereich Nextel, doch dieser Brunnen ist fast abgeschöpft. Gleichzeitig hat sein prekärer Zustand dem Unternehmen seltsamerweise auch neue Freiräume eröffnet: So hat es jüngst ein unbegrenztes Service-Angebot zu 50 Dollar im Monat vorgelegt. Das mag den Beigeschmack der Verzweiflung haben, aber die Offerte wird zweifellos eine Menge neuer Kunden anlocken.

Auch Palm wurde durch ähnlich katastrophale Umstände in ein vergleichbares Wagnis gezwungen. Die Firma setzte alles auf ihr neues Handy "Pre". Das könnte clever gewesen sein: Es wurde glänzend besprochen, und die Technologie-Avantgarde scheint der Allgegenwart des Apple iPhone überdrüssig zu werden.

Aber die Chancen stehen dennoch schlecht, wenn man bedenkt, wie viel Geld die Konkurrenten von Sprint in ihren Taschen haben und wie es um die Forschungs- und Entwicklungsbudgets von Palm bestellt ist. Die Rivalen können Kunden bestechen, ein anderes Handy zu wählen. Oder ein Konkurrent wie Nokia könnte ein besseres Telefon auf den Markt bringen. Aber ein Erfolg würde angesichts der geringen Erwartungen des Markts bei beiden Firmen Wunder bewirken. Die Marktkapitalisierung von Sprint beträgt weniger als ein Zehntel derer des Mitstreiters AT&T. Was Palm anbelangt, so liegt der Marktwert der Firma unter einer Mrd. Dollar. Wenn Smartphones letztendlich ein Viertel der 1,2 Mrd. weltweit verkauften Mobiltelefone ersetzen können, und Palm sich auch nur ein Zehntel dieses Marktes sichern kann, dann würde dies jährlichen Einnahmen von fünf Mrd. Dollar entsprechen. Die neue Nüchternheit könnte reichlich entlohnt werden.

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