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US-Notenbank: Bernanke und das Risiko der Untätigkeit

Die US-Notenbank hat die Leitzinsen unverändert belassen. Gleichzeitig signalisiert die Fed jedoch, dass sich die US-Wirtschaft der Talsohle nähern könnte. Aus ihren Kommentaren lässt sich ablesen, dass eine Hinwendung zu einer restriktiveren Zinspolitik eher früher als später erfolgen dürfte. Wenn Fed-Chef Ben Bernanke die Gefahr steigender Preise verhindern will, dann muss er bald handeln.

von Martin Hutchinson (breakingviews.com)
US-Notenbankchef Ben Bernanke: Riskiert er mit der Niedrigzinspolitik eine Erhitzung der Rohstoffpreise? Quelle: ap
US-Notenbankchef Ben Bernanke: Riskiert er mit der Niedrigzinspolitik eine Erhitzung der Rohstoffpreise? Quelle: ap

Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Zielsatz ihrer Leitzinsen am Mittwoch bei unverändert 0 bis 0,25 Prozent belassen. Gleichzeitig signalisierte sie jedoch, dass sich die US-Wirtschaft der Talsohle nähern könnte. Aus ihren Kommentaren lässt sich ablesen, dass eine Hinwendung zu einer restriktiveren Zinspolitik eher früher als später erfolgen dürfte. Wenn die Zentralbanker eine zerstörerische Erhitzung bei den Rohstoffpreisen vermeiden wollen, dürfen sie nicht zu lange damit warten.

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Es hat niemanden überrascht, dass die Fed den Zielsatz nicht angehoben hat. Das Bankensystem und der Immobilienmarkt sind immer noch fragil. Die Sorgen der Investoren über den sich abzeichnenden Umfang der Mittelaufnahme der US-Regierung haben dazu geführt, dass die Zinsen der maßgeblichen Staatsanleihen stetig nach oben gingen.

Doch die Erklärung der Fed war bei weitem nicht mehr so unheilvoll wie noch in der jüngsten Vergangenheit. Keine Rede war mehr von der Gefahr einer Deflation, vielmehr verwies die Fed auf Verbesserungen auf den Finanzmärkten und bei den Konjunkturindikatoren.

Trotzdem riskiert die Fed, indem sie ihre realen Tagesgeldzinsen in negativem Territorium belässt, eine Erhitzung der Rohstoffpreise. Rohöl hat sich mit rund 70 Dollar je Barrel gegenüber dem Tiefstständen im Februar bereits verdoppelt. Würden die Ölpreise wie im vergangenen Jahr auf über 100 Dollar steigen, dann könnten die sich daraus ergebenden deflationären Auswirkungen auf die US-Kaufkraft in der derzeit zerbrechlichen Verfassung der Wirtschaft langfristige Schäden anrichten.

Selbst wenn die Fed ihre mild restriktive Wortwahl auch nach ihrem Treffen am 12. August wiederholt, könnten die Märkte in ihrem sommerlichen Hochgefühl die Kommentare ignorieren, während die Ölpreise weiter nach oben kriechen. Da die Investoren langsam wieder Geschmack am Risiko finden, könnten die Spekulanten sich wieder des Ölmarkts bemächtigen, und die Fed müsste dann vielleicht auf schmerzhafte Maßnahmen zurückgreifen, um einen wirtschaftlich destruktiven Preisanstieg einzudämmen.

Ein moderates Anziehen der Zinszügel hätte wahrscheinlich einen kräftigen, aber kurzen Kursverfall an den Aktienmärkten und bei den Goldpreisen ausgelöst. Es liegt eine Gefahr darin, wenn die Fed untätig bleibt oder ihre geldpolitische Expansion durch den enormen Ankauf staatlich gestützter Immobilientitel und Treasuries fortführt. Dann könnte sie nämlich gezwungen sein, ihren abgestuften Ansatz aufzugeben und schneller zu einem restriktiveren Kurs überzugehen, wenn eine weitere spekulative Blase auftaucht. Die US-Notenbank hat den Hahn noch nicht zugedreht, aber sie sollte weiterhin signalisieren, dass es bald so weit sein wird.

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