US-Notenbank
Schweigen ist Gold

Die angeblichen Steuermänner der amerikanischen Banken, Bernanke und Paulson, stiften in ihrem Wettstreit um den absonderlichsten Vorschlag zur Lösung der Hypothekenkrise nur Verwirrung. „Mister Market” ist bereit, an alles zu glauben – selbst an die abwegige Idee, die US-Regierung werde explizit die Kredite von Fannie Mae garantieren. Das Duo verschlimmert eine ohnehin schon verfahrene Situation.

Der US-Notenbank-Chef Ben Bernanke scheint gerade den Finanzminister Hank Paulson übertrumpft zu haben. Aber ihr Wettstreit um den absonderlichsten Vorschlag zur Lösung der US-Hypothekenkrise nutzt niemandem. Bernanke – der oberste Wächter des Bankensystem – hat seinen Schützlingen gerade mitgeteilt, sie sollten Abschreibungen auf die Darlehenssumme von Hypotheken vornehmen, um die Kreditnehmer zu entlasten, die, man darf es wohl anmerken, nicht in seinen Verantwortungsbereich fallen. Dieses Ansinnen ist bizarr und untergräbt Paulsons Versuche, die Kreditanbieter dazu zu überreden, die Anhebung der variablen Zinsen auf Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität („Subprime“) einzufrieren. Schlimmer noch: Die Händler müssen jetzt denken, dass einfach alles möglich ist, selbst dass die US-Regierung plötzlich eine explizite Garantie für die Kredite des Hypothekenriesen Fannie Mae aussprechen wird.

Diese Gerüchte haben am Donnerstag einen ohnehin instabilen Markt noch weiter in Unruhe versetzt. Die Hypotheken- und Treasury Bond-Märkte legten zunächst kräftig zu, nur um wieder in sich zusammenzusacken, nachdem das Finanzministerium die Pläne dementierte. Die Spreads der Zins-Swaps erreichten darauf historische Höchststände und die Risiko-Aufschläge auf Kredite von Fannie Mae blähten sich auf - damit wird es für potenzielle Hauskäufer noch teurer, sich Geld zu leihen.

Unter normalen Umständen hätten die Händler eine solch verrückte Idee ignoriert. Schließlich versucht die US-Regierung schon seit Jahren, von ihrer impliziten Kreditgarantie für Fannie Mae und den konkurrierenden staatlich unterstützten Hypothekenanbieter Freddie Mac abzurücken. Paulson hatte sich Anfang der Woche gegen eine von der Regierung getragene Rettungsaktion für die Immobilienfinanzierer ausgesprochen. Und selbst wenn er seine Meinung geändert hätte, bedürfte ein solcher Schritt gesetzlicher Maßnahmen. Das ist vielleicht im kommenden Jahr möglich, falls ein Demokrat ins Weiße Haus einzieht. Die Republikaner aber betrachten die regierungsgestützten Unternehmen mit einer gesunden Skepsis.

Allerdings könnten die immer verzweifelter wirkenden Anstrengungen der Regierung, den in Not geratenen Hauseigentümern unter die Arme zu greifen, dazu beigetragen haben, dass diese Gerüchte gar nicht mehr so weit hergeholt klangen. Schließlich hatte Bernanke vor zwei Tagen gesagt, Paulsons auf Freiwilligkeit beruhender Kreditmodifizierungsplan reiche nicht aus. Und dann ließ er seine Bombe über die Abschreibung der Darlehenssummen platzen.

Dies trägt nicht dazu bei, den Hypothekenschlamassel zu bereinigen. Der Immobilienfinanzierer Thornburg Mortgage und die notierte Carlyle Capital Corp, die beide in Hypotheken und Hypotheken-Bonds mit erstklassiger Bonität investieren, sind gerade mit Forderungen überschüttet worden. Prime Broker, die Handel, Wertpapierleihe und Verrechnungen für Hedge Fonds betreiben, setzen schon die Anforderungen für die Sicherheiten herauf, andere dürften ihrem Beispiel folgen. Wenn sie helfen wollen, dann sollten Bernanke und Paulson anfangen, dasselbe zu predigen. Oder besser noch: Sie sollten eine Zeit lang ganz den Mund halten.

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