US-Notenbank
Strategie mit hohen Risiken

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank hat die Zinsen unverändert belassen. Damit gibt er zu verstehen, dass ihn die Inflation auch weiterhin nicht sonderlich bekümmert. Dies könnte ein falsches Signal an die Rohstoffmärkte aussenden. Eine kleine Zinsanhebung wäre für die US-Wirtschaft weniger riskant gewesen, als höheren Rohstoffpreisen wieder Tür und Tor zu öffnen.

Indem der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank Fed die Zinsen unverändert belassen hat, hat er zu verstehen gegeben, dass ihn die Inflation auch weiterhin nicht sonderlich bekümmert. Dies könnte ein falsches Signal an die Rohstoffmärkte aussenden. Eine kleine Zinsanhebung wäre für die US-Wirtschaft weniger riskant gewesen, als höheren Rohstoffpreisen wieder Tür und Tor zu öffnen.

Die Risiken für die US-Wirtschaft, die von einer moderaten Erhöhung des Zielsatzes für Fed Funds ausgehen, sind gering. Während zwar vielleicht der Aktienmarkt am Dienstag seine vor der FOMC-Ankündigung gesehene Aufwärtsbewegung über 200 Punkte ins Gegenteil verkehrt hätte, wären die Zinsen damit immer noch gut unter der Verbraucherpreisinflation geblieben, die derzeit bei fünf Prozent liegt und sich beschleunigt. Da die US-Notenbank dem Bankensystem über ihre verschiedenen Kreditfazilitäten Liquidität bereitstellt, die US-Regierung ein Defizit von fast 500 Mrd. Dollar verwaltet und Fannie Mae und Freddie Mac unbegrenzte Garantien einräumt, hätte keine Gefahr bestanden, dass eine Zinserhöhung um, sagen wir, einen viertel Punkt einen Liquiditätsengpass auslöst oder den Abschwung auf dem Immobilienmarkt beträchtlich verschärft.

Umgekehrt aber wurde das Risiko, dass es bei den Rohstoffpreisen zu weiteren Spitzenausschlägen kommt, durch die Untätigkeit der Fed erhöht. Der Preis von Rohöl hat sich im Zeitraum nach dem September 2007, in dem die US-Notenbank ihren Zielsatz von 5,25 auf zwei Prozent verringert hat, fast verdoppelt. Der Reuters-CRB-Index ist um über 30 Prozent geklettert. Zwar haben sich verschlechternde Nachfrageprognosen dazu geführt, dass sich die Ölpreise um 20 Prozent verbilligt haben, seitdem die Fed aufgehört hat, die Zinsen zu senken. Aber sie verharren immer noch um 50 Prozent über ihrem Vorjahresniveau.

Während eine moderate Zinsanhebung zwar die Inflation nicht direkt in umfassender Weise gebremst hätte, hätte sie den Rohstoffmärkten doch signalisiert, dass die Fed es ernst meint damit, die Teuerung aus der US-Wirtschaft zu vertreiben - damit hätte sie die Botschaft jüngster und vielleicht künftiger Schritte der Europäischen Zentralbank und einiger anderer für die Geldpolitik zuständiger Behörden widergespiegelt. Die Gefahr weiterer Spitzenausschläge bei den Rohstoffpreisen hätte sich vermindert, die sich destabilisierend auf die amerikanische und globale Wirtschaft auswirken, wenngleich an Rohstoffen reiche Volkswirtschaften wie Australien und Kanada davon profitieren, wie auch weniger harmlose Regierungen wie die von Venezuela und Russland.

Untätig zu bleiben und nur die anti-inflationäre Rhetorik ein wenig zu verschärfen, ist der Fed vielleicht als sicherste Alternative erschienen. In Wirklichkeit war dies vielleicht riskanter für die US-Wirtschaft als eine mäßige Erhöhung der Zinsen.

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