US-Notenbank und Märkte
Es ist noch nicht vorbei

Die Fed will das Herz des Finanzsystems schützen, ohne zu viele Randfiguren zu retten. Aber das Zentrum abzusichern, wird angesichts der Wucht des Schuldenabbaus nicht einfach werden. Die Fed könnte am Ende mit noch mehr zweifelhaften Vermögenswerten in der Bilanz und einer Dollar-Krise da stehen.

Erleichtert aufseufzen und vor Angst zittern. So dürften in diesen Tagen die typischen Reaktionen von Ben Bernanke und Tim Geithner aussehen. Den beiden US-Zentralbankern im Auge des weltweiten Finanzsturms war es gelungen, die Rettung von Bear Stearns einzufädeln. Ihre Senkung des Zielsatzes für Fed Funds um 75 Basispunkte am Dienstag war von den Aktien- und Kreditmärkten sogar mit einer kräftigen Kurserholung quittiert worden. Aber es liegen noch einige Furcht erregende Herausforderungen vor ihnen.

Welche Ziele die US-Notenbank anstrebt, ist ziemlich klar. Sie will verhindern, dass große Institute – seien es Banken oder Broker – scheitern. Sie will die Märkte, die sich immer noch schwach und verängstigt präsentieren, wieder in Gang bringen. Aber sie würde es vorziehen, nicht allzu große Teile des Finanzsystems verstaatlichen zu müssen. Sie hofft zudem darauf, es vermeiden zu können, den Investoren unter die Arme zu greifen, die einen Berg von Fremdkapital angehäuft haben, der sich jetzt im Zuge des Schuldenabbaus in eine Lawine zu verwandeln droht. Deshalb sind die Aktionäre von Bear fast aufgerieben worden, und Hedge Fonds wie Carlyle Capital Corp. werden den Wölfen zum Fraß vorgeworfen.

Aber die Randfiguren fallen zu lassen, während das Zentrum des Finanzsystems beschützt werden soll, wird nicht einfach werden. Jedes Mal, wenn ein Hedge Fonds zusammenbricht, werden seine Vermögenswerte wie ein Bumerang zuletzt in den Bilanzen der Gläubiger einschlagen und damit das Zentrum schwächen. Wenn die Banken und Wertpapierhäuser dann nicht sicher sind, dass sie über ausreichend Liquidität verfügen, um weiter machen zu können, und über genug Kapital, um die Verluste auffangen zu können, dann werden sie immer wieder Liquidität anhäufen und die Risiken verringern. Dies wird die Preise der Vermögenswerte noch weiter nach unten drücken und den Teufelskreis ausweiten.

Bei der Rettung von Bear Stearns hat die Fed bereits zweifelhafte Vermögenswerte über bis zu 30 Mrd. Dollar in ihre Bilanz übernommen. Wenn sie andere zentrale Institute beschützen muss, dann könnte sie schließlich auf einem Vielfachen dessen sitzen bleiben. Da sich die eigenen Ressourcen der Fed an Vermögenswerten guter Qualität rasch lichten, könnte sie zu dem drastischen Schritt gezwungen sein, Geld drucken zu müssen, um das Finanzsystem zu bereinigen. Damit würde einer höheren Inflation und einem heftigen Verlust des Vertrauens in die USA der Weg geebnet und ein weiteres Kapitel in der Dollar-Krise aufgeschlagen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%