US-Notenbank
Wettrüsten

Es sieht ganz danach aus, als wolle Fed-Chef Ben Bernanke die Notfallkredite der US-Notenbank für die Wertpapierhäuser bis ins Jahr 2009 verlängern. Das mag zweckdienlich sein, aber das Risiko der dadurch möglicherweise entstehenden moralischen Gefährdung erfordert ein Gegengewicht in Form einer strengeren Regulierung. Bernanke ist auf dem richtigen Weg, aber nun muss der US-Kongress handeln – und zwar schnell.

Es hört sich ganz danach an, als ob Fed-Chef Ben Bernanke die Notfallkredite der US-Notenbank Federal Reserve für die Wertpapierhäuser bis 2009 verlängern wolle. Das mag angebracht sein. Aber damit entstehen auch moralische Gefährdungen, die nach einem Quid pro quo in Form einer härteren Regulierung verlangen. Der Chairman der US-Zentralbank geht mit seinen Äußerungen bereits in die richtige Richtung. Aber der US-Kongress muss handeln, um der Fed schärfere Waffen an die Hand zu geben.

Nachdem die Fed im März der taumelnden Bear Stearns zu Hilfe gekommen war und damit angefangen hat, Kredite an die Investmentbanken - über die die Fed offiziell gar nicht die Aufsicht führt - zu vergeben, läuft die US-Notenbank bereits Gefahr, in den Ruf zu kommen, man könne sie leicht anpumpen. Wenn sie jetzt die Kreditfazilitäten ausweitet, könnte sich diese Einschätzung erhärten.

Auch wenn auf diese Fazilitäten gar nicht so stark zugegriffen wird, gibt ihre schiere Existenz den Gegenparteien der Brokerhäuser beträchtliches Vertrauen. Ohne den Rückhalt der Fed ist es sogar denkbar, dass etwa Lehman Brothers denselben Weg wie Bear Stearns gegangen wäre, als die Stimmung der Investoren den absoluten Tiefpunkt erreicht hatte.

Den Finanzmarktteilnehmern sollte diese Annehmlichkeit aber nicht umsonst gewährt werden. Die Gegenleistung sollte in einer strengeren Regulierung als in der jüngsten Vergangenheit bestehen. Fairerweise muss man anmerken, dass die Fed bereits innerhalb der Investmentbanken präsent ist, was dank einer Kooperationsvereinbarung mit der US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC), ihrer eigentlich zuständigen Aufsichtsbehörde, möglich wurde. Aber dies ist ein Notbehelf.

Hank Paulson, der US-Finanzminister, hatte der Fed bei seinem Vorschlag zur Reform der US-Finanzaufsicht eine umfassendere Rolle zugedacht. Bernanke scheint auf derselben Wellenlänge zu liegen, vorausgesetzt, die Fed erhält die Befugnisse, die im Einklang mit ihren Verantwortlichkeiten stehen. Die Fed könnte, um nur einige Beispiele zu nennen, von der Möglichkeit profitieren, etwa für ihre Kreditfazilitäten Gebühren zu erheben, den Fremdmitteleinsatz der Investmentbanken zu beschneiden und eine weiter reichende Offenlegung durchzusetzen.

Natürlich sollte die Marktregulierung nicht die Innovation ersticken. Und die Notenbank sollte nicht diktieren können, wie Finanzinstitute geleitet werden. Aber das alte System - bei dem die Fed passiv bleiben muss und die SEC mehr auf die Umsetzung als auf die Prävention konzentriert ist - hat nicht funktioniert. Es gibt sicher einen gangbaren Mittelweg, der eine Balance zwischen einer größeren Finanzstabilität und einer immer noch dynamischen Finanzindustrie herstellt. Niemand will eine Kurzschlussreaktion, aber die politisch Verantwortlichen im US-Kongress sollten erkennen, dass unverzügliches Handeln unabdingbar ist, damit der gegenwärtige riskante Kompromiss keine Wurzeln schlagen kann.

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