US-Notenbanken
Ben Bernanke in der Zwickmühle

Der leichte Rückgang der US-Arbeitslosenzahlen auf zehn Prozent ist eine gute Nachricht. Doch Fed-Chairman Ben Bernanke hatte in dieser Woche auf steigende Arbeitslosigkeit verwiesen.Das sei der Grund, warum er die Zinsen nicht anhebt. Seine Argumente für das billige Geld könnten sich bald abnutzen.
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Der Rückgang der US-Arbeitslosenquote auf zehn Prozent nach 10,2 Prozent ist für Ben Bernanke keine uneingeschränkt gute Nachricht. Der Chairman der US-Notenbank Federal Reserve hatte in dieser Woche steigende Stellenverluste angeführt, um Forderungen der Inflationsfalken nach höheren Zinsen eine Absage zu erteilen, mit Hilfe derer sich die empor schnellenden Rohstoffpreise und eine mögliche künftige Teuerung bekämpfen ließen. Aber wenn sich die Rohstoffpreise weiterhin kräftig präsentieren, werden sich die Argumente für das billige Geld bald abnutzen.

Die Einzelheiten des US-Arbeitsmarktberichts im November, zusammen mit einer unerwartet starken Erhöhung der Auftragseingänge der Industrie im Oktober, legen nahe, dass die US-Wirtschaft als Ganze vielleicht endlich über den Berg gekommen ist. Die größte Stärke auf dem Arbeitsmarkt zeichnete sich bei den befristeten Stellen ab, die um 52 000 zunahmen. Da diese Arbeitsplätze generell mit geringeren Vergünstigungen ausgestattet sind als Festanstellungen, so ist es möglich, dass die Ungewissheit über den Kurs der US-Regierung unter Präsident Obama in der Gesundheits- und Steuerpolitik die Arbeitgeber verstärkt dazu veranlasst, mehr Leiharbeitskräfte einzusetzen.

Dagegen wiesen die Sektoren Bau, verarbeitendes Gewerbe und Informationstechnologie, die im Allgemeinen besser bezahlte Arbeitsplätze bieten, allesamt Stellenverluste auf, auch wenn sich dieser Abbau langsamer vollzog. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit erhöhte sich leicht, wobei allerdings der durchschnittliche Stundenverdienst annualisiert nur um ein Prozent vorrückte und damit weit unter der Inflationsrate blieb.

In seiner schriftlichen Aussage vor dem US-Kongress hatte Bernanke am Donnerstag beteuert, die Fed fühle sich weiterhin "ihrer Mission verpflichtet, dazu beizutragen, den Wohlstand wiederherzustellen und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern, während sie die Preisstabilität bewahrt". In Reaktion auf Fragen sagte er auch, dass er keine extremen Trends bei den Preisen der Vermögenswerte in den USA sehe, aber dass ausländische Regierungen die Verantwortung für ihre eigenen Übertreibungen bei den Vermögenswerten übernehmen müssen.

Damit wurde die Frage der überschäumenden Märkte für Rohstoffe nicht angepackt, deren Kurse global bestimmt werden. Und es wurde auch der manchmal versteckt schwelende Konflikt zwischen dem doppelten Ziel der Fed gemäß dem Humphrey Hawkins-Gesetz aus dem Jahr 1978 nicht gelöst, das die Bekämpfung sowohl der Arbeitslosigkeit als auch der Inflation vorsieht. Wenn sich inflationäre Signale ergeben, während die Arbeitslosigkeit hoch ist, rücken die Reibungspunkte zwischen diesen beiden Zielsetzungen besonders deutlich in den Vordergrund.

Wenn die Arbeitslosigkeit weiterhin fällt, wird Bernanke ein schlagkräftiges Argument dafür verlieren, die kurzfristigen Zinsen auf ihrem derzeitigen außerordentlichen Niveau von beinahe Null zu halten. An diesem Punkt könnten dann weitere schnelle Rohstoffpreiserhöhungen ihm und seinen Kollegen bei der Fed kaum eine andere Wahl lassen, als letztendlich damit zu beginnen, die Zinsen anzuheben.

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