US-Regierung stützt die Finanzbranche
Vielen Dank, Uncle Sam

Die geplante Mega-Rettung durch die US-Regierung schafft eine Menge Gewinner. Ganz oben auf der Liste findet sich Morgan Stanley. Vor ein paar Tagen noch hing die Wall Street-Firma in den Seilen, und jetzt könnte sie es sogar schaffen, unabhängig zu bleiben.

Zu den großen Gewinnern des Rettungsplans der US-Regierung gehört Morgan Stanley. Vor ein paar Tagen noch hing die Investmentbank in den Seilen. Sie suchte hektisch nach einem Partner, während Hedge Fonds ihr Geschäft abzogen und ihr Kredit-Rating und ihr Aktienkurs zurückgestuft wurden. Am Ende der vergangenen Woche dann waren die Kosten für die Kreditabsicherung um 21 Prozent geschrumpft, auch wenn sie immer noch hoch sind. Und als das Vertrauen wieder auf die Märkte zurückkehrte, erholten sich auch ihre Aktien wieder. Die Bank könnte es jetzt sogar schaffen, unabhängig zu bleiben. Und selbst wenn dies nicht möglich sein sollte, hat die Firma dennoch Zeit, wieder zu Atem zu kommen und wird nicht als völlig desolater Verkäufer dastehen.

Knapp hinter Morgan Stanley folgt Goldman Sachs. Wenn Morgan Stanley gefallen wäre, hätte ihr größerer Konkurrent als letzte große unabhängige Investmentbank überlebt. Jetzt liegt zwischen ihr und der Krise immerhin noch eine Pufferzone.

Der Rest des Bankensektors - und vielleicht andere Marktteilnehmer – könnten ebenso auch auf eine Goldader stoßen. Wer dabei am besten abschneidet, wird jedoch maßgeblich von den Einzelheiten des Mega-Rettungsplans von US-Finanzminister Hank Paulson abhängen.

Es scheint eine sichere Wette zu sein, wenn man davon ausgeht, dass amerikanische Banken mit großen Beständen an Wertpapieren, die durch US-Wohnimmobiliendarlehen besichert sind, davon profitieren werden. Schließlich sollte es relativ einfach sein, eine Rettung politisch zu verkaufen, vorausgesetzt sie ist an amerikanische Banken und amerikanische Eigenheime geknüpft. In diese Kategorie würde Wachovia fallen, einer der mutmaßlichen Fusionspartner von Morgan Stanley.

Sobald man sich allerdings von amerikanischen Banken und Eigenheimen entfernt, wird die Prognose schwieriger. Die Aktien britischer Banken wie HBOS, RBOS und Barclays, die gleichfalls vom Markt für US-Hypothekentitel in Mitleidenschaft gezogen wurden, legten Ende der vergangenen Handelswoche kräftig zu. Vielleicht ist dies gerechtfertigt. Aber dazu müsste Uncle Sam bereit sein, auch ausländische Firmen zu retten.

Dann tut sich die Frage auf, ob Hypothekendarlehen für gewerbliche Immobilien durch den Plan abgedeckt werden. Auch sie sind giftig geworden. Sie aus den Bilanzen herauszulösen, würde den Finanzinstituten sehr helfen. Aber es könnte schwieriger sein, eine Rettung zu verkaufen, die sich auf Bürogebäude und nicht auf Eigenheime bezieht.

Und schließlich fragt man sich, ob nur Banken das neue Programm anzapfen können. Werden zum Beispiel BlackRock oder Lone Star, die Berge giftiger Vermögenswerte von UBS bzw. von Merrill Lynch gekauft hatten, in der Lage sein, diese wieder bei Uncle Sam abzuliefern und dabei einen Gewinn zu machen? Wieder könnte es politisch einfacher sein, eine Bankenrettung zu verteidigen als einen Plan, der unbeliebten Gruppierungen wie Hedge Fonds und Beteiligungsgesellschaften zu Gute kommt.

Doch vielleicht kommt es darauf gar nicht so sehr an. Selbst eine Rettung, die sich eng auf US-Banken konzentriert, würde indirekt jedem anderen nutzen, der sich auf dem Markt engagiert hat. Schließlich würde das Aufsaugen unerwünschter Vermögenswerte durch die US-Regierung einen Überhang aus dem Markt nehmen, und die Marktkurse könnten wieder steigen. Kein Wunder, dass der Markt „Vielen Dank, Uncle Sam“ hinausruft.

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