US-Regionalbanken
Northern Rock auf amerikanisch?

Blüht Amerika ein Debakel à la Northern Rock? Vielleicht nicht, aber einige US-Banken könnten schwer durchgerüttelt werden. Viele sind in enormem Ausmaß auf dem Immobiliensektor engagiert. Da mögliche Weiße Ritter rar oder gar nicht vorhanden sein dürften, ist es ungewiss, wie sie an neues Kapital kommen sollen.

Die amerikanischen Banken sind – bisher – dem Schicksal von Northern Rock entgangen. Der jüngst verstaatlichte britische Immobilienfinanzierer hatte im vergangenen Jahr um staatliche Beihilfen über rund 60 Mrd. Dollar betteln müssen, als die kurzfristigen Kreditmärkte austrockneten. Die amerikanischen Privatkundenbanken haben stabilere Finanzierungsquellen. Aber da sie dem Immobilienmarkt enorm ausgesetzt sind, könnte ihnen dennoch eine ruppige Fahrt bevorstehen.

Anders als große nationale Banken wie die Bank of America oder Citigroup, haben die Regionalbanken Amerikas – von denen einige, gemessen an der Bilanzsumme, mindestens so groß wie Northern Rock sind – noch nicht einmal damit angefangen, neues Kapital zu sammeln, um mögliche Verluste auszugleichen. Und doch sind viele mit mindestens der Hälfte ihres Kreditportfolios in irgendeiner Form in Immobilien eingebunden, berichtet Lehman Brothers.

Natürlich wird davon nicht alles wie der Subprime-Sektor den Bach hinuntergehen. Aber der Bereich Gewerbeimmobilien ist schon in Mitleidenschaft gezogen worden: Die CMBX-Indizes, die die Bewegungen von Wertpapieren nachbilden, die durch Gewerbeimmobilienhypotheken besichert sind, legen einen Rückgang der Bewertung um 20 Prozent oder darüber nahe. Und jetzt steigen die Ausfälle bei den Eigenheimkrediten, die auf der Höhe des Eigenkapitals basieren.

Das könnte einige Banken in Bedrängnis bringen. National City hat rund ein Drittel ihrer Kredite in diesen Bereichen herausgelegt, Regions Financial etwas weniger als die Hälfte. Umfassende Verluste würden schnell zur Kapitalerosion führen. Mit 6,5 Prozent liegt die Kernkapitalquote der in Kansas ansässigen National City nur um einen halben Punkt über der vorgeschriebenen Mindestanforderung, auch wenn die Bank ein unerwartetes Geschenk über 490 Mill. Dollar aus dem Teilverkauf ihres Anteils an Visa erhalten dürfte.

Die in Georgia ansässige Synovus ist mit fast 60 Prozent ihrer Kredite bei Gewerbeimmobilien engagiert und die Zions Bank in Utah mit über der Hälfte. Wenn die Einbußen, die die CMBX-Indizes nahe legen, tatsächlich eintreten, würde der dann folgende Schlag den jeweiligen Buchwert der Banken erreichen.

Banken verfügen über einen gewissen Puffer, den Investmentfirmen nicht haben – sie müssen gewöhnlich Verluste nur dann buchen, wenn Ausfälle drohen und nicht wenn die Kurse zurückgehen. Aber es wäre doch klug für viele von ihnen, sich nach neuem Kapital umzusehen. Das dürfte nicht ganz einfach werden. Bis jetzt haben sich die Staatsfonds nur für die großen Markennamen interessiert. Und mögliche Weiße Ritter, die wie JPMorgan gern zu Akquisitionen herbei reiten, müssten derzeit schon gute Nerven für ein solches Abenteuer haben. Je früher die amerikanischen Regionalbanken mit der Jagd beginnen, desto besser.

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