US-Schuldtitel: Lasst die Luft aus der Treasury-Blase!

US-Schuldtitel
Lasst die Luft aus der Treasury-Blase!

Die US-Notenbank denkt über den Kauf von Staatsanleihen nach. Da die Kurse fallen, der Finanzminister die Käufer brüskiert und in dieser Woche allein Titel über 78 Mrd. Dollar begeben werden, könnte dies vernünftig erscheinen. Aber es wäre besser, ein wenig die Luft aus der Treasury-Blase zu lassen – statt sie erneut aufzublähen.

Die US-Notenbank Federal Reserve sollte nicht versuchen, den Markt für Treasuries zu stützen. Die Zentralbank denkt darüber nach, lang laufende US-Staatsanleihen zu kaufen, um den jüngsten Kursrückgang aufzuhalten. Da US-Finanzminister Tim Geithner wahrscheinlich gerade einen der weltweit größten Käufer dieser Papiere - China - verärgert hat, und massive Emissionen geplant sind, hat ein solcher Schritt durchaus seinen Reiz. Aber die Fed-Chefs sollten sich lieber dazu durchringen, etwas Luft aus der Treasury-Blase entweichen zu lassen, bevor sie platzt - anstatt zu versuchen, sie erneut aufzupumpen.

Das US-Finanzministerium will in dieser Woche die Rekordsumme von Schuldtiteln über 78 Mrd. Dollar zur Versteigerung bringen - ein Plan, dessen Ankündigung zeitlich fast mit Geithners Behauptung zusammenfiel, China manipuliere seine Landeswährung. Eine Methode, mit der China seine Währung schwach gehalten hat, war der Kauf von US-Staatsanleihen. Die Besorgnis der Marktteilnehmer, wie China auf Geithners Kommentar reagieren könnte, hat den Kursrückgang, der im Dezember eingesetzt hatte, als das Ausmaß der künftigen US-Haushaltsdefizite deutlich geworden war, noch einmal etwas verschärft.

Dass die Fed andere Klassen von Wertpapieren gekauft hat - von hypothekenbesicherten Bonds bis zu Commercial Paper - hat dazu beigetragen, diese Märkte ein wenig aufzutauen. Aber in großem Umfang Treasuries zu kaufen, ist etwas ganz anderes. Aufkäufe in großem Stil würden gefährlich danach aussehen, als wolle man Geld drucken, um die Staatsverschuldung abzutragen. Und genau davor fürchten sich die Anleihe-Investoren.

Ein solcher Schritt könnte genau das Gegenteil dessen bewirken, was die Fed zu erzielen hofft - ausländische Anleger könnten die Regierung zwingen, auf neue Schuldtitel höhere Zinsen zu zahlen, um die Besorgnis zu zerstreuen, die US-Notenbank mindere den Wert des Dollar. Die Aussichten darauf, dass die USA vielleicht zusätzliche Schuldtitel über mehrere Billionen Dollar begeben müssen, um ihre Fehlbeträge in den kommenden Jahren zu finanzieren, machen die Investoren ohnehin schon nervös. Sie haben am Montag bei der ersten Tranche über acht Mrd. Dollar der in dieser Woche angesetzten Anleihe-Auktion eine höher als erwartet ausgefallene Rendite erzwungen.

Außerdem gibt es gute Gründe für die Regierung, ein langsames Absinken der langfristigen Treasury-Kurse zu begrüßen. Der Ansturm auf US-Staatsanleihen als sicherer Hafen hat eine Blase hervorgebracht. Ein sanftes Ausströmen der überschüssigen Luft wäre weniger zerstörerisch als eine abrupte Implosion. Wenn die Attraktivität der Staatstitel abnimmt, wären vielleicht auch die Banken eher bereit, Kapital in andere, riskantere Vermögenswerte zu stecken - wie etwa in Kredite an den Privatsektor. Auch wenn die US-Regierung für ihre Ausleihungen ein wenig mehr bezahlen müsste, wäre es dies wert, wenn man dadurch die Kredite an Unternehmen und Privatpersonen wieder zum Fließen bringen könnte.

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