US-Sozialversicherung
Frührentner machen die Party kaputt

Dem amerikanischen Sozialversicherungssystem könnte 2010 und 2011 das Geld ausgehen. Damit war eigentlich erst in sieben Jahren gerechnet worden. Die Frührentner unter den Baby-Boomern würden zwar die langfristige Belastung des Treuhandfonds verringern. Doch die kurzfristigen Mittelabflüsse würden die Budgetfehlbeträge verschärfen.
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Die Baby-Boomer, die sich in den Ruhestand verabschieden, gehören zu den vorerst letzten Spaßverderbern auf der US-Finanzparty. Dem US-Sozialversicherungssystem könnte 2010 und 2011 das Geld ausgehen. Damit war eigentlich erst in sieben Jahren gerechnet worden. Wenn die Baby-Boomer in die Frührente gingen, würde sich zwar die langfristige Belastung des Sozialversicherungstreuhandfonds verringern. Aber die kurzfristigen Bargeldabflüsse würden die Budgetdefizite verschärfen und ihre Finanzierung erschweren.

Durch die Rezession hat sich die Anzahl der Arbeiter und Angestellten, die in den Treuhandfonds einzahlen, drastisch verkleinert. Arbeitslose Baby-Boomer der ersten Welle, die jetzt vermehrt das Mindestalter zum Bezug von Leistungen von 62 Jahren erreichen, dürften dagegen kaum eine andere Wahl gehabt haben, als die Sozialversicherung früh in Anspruch zu nehmen, wenn ihr Arbeitslosengeld erst einmal ausgelaufen war. Es ist also kaum verwunderlich, dass der Fonds auf Schwierigkeiten gestoßen ist.

Und es kann auch nicht groß überraschen, dass die Generation der Baby-Boomer sich für die Frührente entscheidet. Sie hatten das Lebensalter, in dem am meisten gespart wird, zu einem Zeitpunkt erreicht, als die US-Sparquote so niedrig war wie nie zuvor. Während der spekulativen Blase an den Aktienmärkten in den neunziger Jahren hatten die Baby-Boomer die Frührente zudem in Mode gebracht. Für diejenigen, die mit 62 Jahren arbeitslos werden oder einen unbefriedigenden Job ableisten, mag die Vorstellung abschreckend sein, bis zum normalen Rentenalter von 66 Jahren zu warten, um Leistungen zu beziehen.

Wenn sich allerdings mehr Baby-Boomer als erwartet in die Frührente verabschieden würden, würde der Sozialversicherungstreuhandfonds längerfristig tatsächlich profitieren. Der durchschnittliche versicherungsmathematische Wert der Sozialversicherung ist um 14,6 Prozent höher, wenn er ab dem normalen Rentenalter von 66 statt von 62 Jahren beansprucht wird. Noch höher läge er beim Maximalalter von 70 Jahren.

Aber auch wenn eine Flut an Pensionierungen der Baby-Boomer für den Fonds gut wäre, so wäre sie schlecht für das US-Budget. Der Überschuss der Sozialversicherung von 180 Mrd. Dollar im Jahr 2008 wurde gegen das Etatdefizit verrechnet und schmälerte den Mittelaufnahmebedarf der öffentlichen Hand entsprechend. Zugegebenermaßen wird aus einem Cash Flow-Defizit der Sozialversicherung von zehn Mrd. Dollar im Jahr 2010 ein Überschuss von 70 Mrd. Dollar, wenn die Treuhandfondszinsen mit eingerechnet werden. Aber auch wenn alles andere konstant bleibt, bedeutet dies dennoch, dass die US-Regierung 110 Mrd. Dollar mehr Mittel aufnehmen muss als im vergangenen Jahr.

Wenn tatsächlich Sozialversicherungslücken einsetzen, würde es noch schwieriger, finanzwirtschaftliche Disziplin zu erreichen - wobei diese dann notwendiger denn je wäre.

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