US-Staatshilfen
CIT: Für die Rettung zu klein

CIT finanziert alles – von Donuts-Ketten bis hin zu Kindergärten. Sein fehlerhaftes Finanzierungsmodell hat den US-Kreditanbieter dazu gezwungen, sich um staatliche Kreditgarantien zu bewerben. Doch die stehen offenbar nicht zur Verfügung. Die Lektion: Nur den größten unter den rücksichtslosen Finanzierern wird die Hand gereicht.
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Wenn Schiffe sinken, gilt die Regel: Frauen und Kinder zuerst. Wenn Finanzinstitute untergehen, dann werden nicht die Kleinen gerettet. Die Regierungen helfen nur den Größten. Tut uns Leid, CIT! Du bist nicht so groß, als dass man dich nicht scheitern lassen könnte.

Sicher, der Finanzierer für kleine und mittlere Unternehmen versorgt alle - von Dunkin Donuts-Ketten bis hin zu Kindergärten. Sein 76 Mrd. Dollar umfassendes Kreditbuch verteilt sich auf eine Million Unternehmen. Viele von ihnen werden jetzt vielleicht mehr zahlen müssen, um ihre Schulden zu refinanzieren, vielleicht werden sie aber auch ganz versinken. CIT hat sich um staatliche Hilfe beworben und als Begründung auf eigene Schätzungen verwiesen, denen zu folge mehrere Fertigungsbetriebe scheitern und hunderttausende Einzelhändler in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.

Doch der Antrag des Finanzierers auf Kreditgarantien des US Federal Deposit Insurance Corporation-Einlagensicherungsinstituts (FDIC) ist seit Januar unbeantwortet geblieben. Marktteilnehmer gehen nicht davon aus, dass die staatliche Unterstützung gewährt wird. Um CIT, die seit Anfang 2007 keinen Quartalsgewinn mehr ausgewiesen hat, dürfte es damit geschehen sein. Investoren, die versuchen, Schuldtitel über zehn Mill. Dollar, die der Unternehmensfinanzierer emittiert hat, für fünf Jahre abzusichern, müssen jetzt die außerordentliche Summe von 4,6 Mill. Dollar im Voraus berappen und im Jahr 500 000 Dollar aufbringen.

Das Eigentümliche an der Zurückhaltung der FDIC ist die Tatsache, dass das Einlagensicherungsinstitut bereits Unmengen an Schuldtiteln von GE Capital und dem Autofinanzierer GMAC garantiert hat. Was ist so anders an CIT? Sollte nicht jede große Finanzierungsgesellschaft, die sich auf kurzfristige Finanzierungen verlassen hat, um Kredite in die Wirtschaft zu pumpen - auch wenn sie dabei einige Kredite von miserabler Qualität vergeben hat -, Unterstützung erhalten?

Teilweise kommt es dabei auf die Risiken an. Das FDIC verwaltet nur einen begrenzten Betrag an Cash, es muss seine Mittel also besonnen einsetzen. GE Capital wird durch eine Muttergesellschaft mit großen industriellen Bereichen abgestützt, die verkauft werden könnten. Zudem arbeitet die Muttergesellschaft rentabel und besitzt eine höhere Bonitätseinstufung. Was GMAC angeht, so haben Kapitalspritzen durch das US-Finanzministerium das Risiko gesenkt, dass die Garantien in Anspruch genommen werden müssten.

Doch das eigentliche Problem könnte sich rein auf die Größe reduzieren. CIT verfügt nicht über den politischen Einfluss, den GMAC - der Hauptkapitalgeber für die GM - und Chrysler-Käufer - ausüben kann. Und bezüglich der Vermögenswerte ist GE Capital mehr als acht Mal so groß. Ein Scheitern von CIT, das von den Märkten seit langem vorausgesagt wird, würde wohl kaum andere Finanzinstitute mit in den Abgrund ziehen.

Die Überlebenden, unter ihnen tausende von US-Banken, könnten von einem Niedergang der CIT sogar profitieren, wenn sich kleinere Unternehmen dann anderswo nach Krediten umschauen müssten. Alles in allem, verausgabt sich das FDIC vielleicht weniger, wenn es CIT einfach links liegen lässt, und es zulässt, dass eventuell die Kosten privater Kredite quer durch die Wirtschaft steigen, als wenn es dem Finanzierer unter die Arme greift. Gerecht ist das nicht, aber es sollte jetzt allen Beteiligten hinlänglich bewusst geworden sein, dass nur den größten unter den rücksichtslosen Kreditanbietern die Hand gereicht wird.

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