US-Staatsverschuldung
Der verlockende Reiz der fremden Währung

Die USA sollten sich auf eine Mittelaufnahme in Fremdwährungen einlassen. Eine Finanzierung in Euro und Yen könnte die Verdrängungseffekte verringern, die aus den enormen US-Defiziten entstehen. Bleiben die Währungsrisiken überschaubar, dann könnte sich die dadurch auferlegte fiskalpolitische Disziplin als wertvoll erweisen.
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Die USA wären aufgrund der chinesischen Devisenkontrollen nicht sonderlich gut beraten, wenn sie sich auf eine Mittelaufnahme in Renminbi einließen, wie dies der Chairman der China Construction Bank, Guo Shuqing, gerade empfohlen hat. Eine Finanzierung der Staatsschuld in Euro und Yen könnte hingegen die "Verdrängungseffekte" zu Lasten der Kreditaufnahme des US-Privatsektors reduzieren, die durch die Notwendigkeit, enorme Defizite finanzieren zu müssen, entstanden sind. Wenn die USA die Währungsrisiken überschaubar gestalten, könnte sich die dadurch auferlegte Disziplin als wertvoll erweisen.

Der Vorschlag von Guo schließt sich den jüngst geäußerten Bedenken Chinas an, die Kreditaufnahme der USA sei exzessiv und die Gefahr eines Dollar-Rückgangs groß. Ausländische Investoren lang laufender US-Treasuries lassen sich auf vier Risiken ein: die Gefahr eines Ausfalls, das Risiko eines Wertverfalls des Dollar gegenüber anderen Währungen, die Gefahr, dass die Inflation in Amerika den Wert des auf Dollar lautenden Kapitals schmälert und auf das Risiko steigender Dollar-Zinsen durch die Effekte der Verdrängung des Privatsektors. Denn wenn private Investoren mit einer Regierung um einen begrenzten Kreditpool konkurrieren müssen, werden die Zinsen nach oben getrieben.

Wenn das US-Finanzministerium zu einer Mittelaufnahme in Fremdwährungen überginge, könnte es die Risiken der Investoren mit Blick auf den Währungsrückgang, die Inflation und die Verdrängung mildern. Angesichts des gigantischen Mittelaufnahmebedarfs des US-Finanzministeriums wäre es ratsam, den Investoren auf diese Art und Weise entgegenzukommen. Die Anleger würden zwar ein größeres Kreditrisiko auf sich nehmen, denn die USA könnten dann einen Ausfall nicht mehr durch das Drucken von Geld vermeiden. Die anderen drei Gefahrenbereiche würden indes entschärft und die Bestände breiter gestreut werden.

Wenn die US-Regierung ausreichend Fremdwährungsverbindlichkeiten begeben würde, um für Liquidität zu sorgen, könnte dies die Lust der weltweiten Anleger auf US-Staatspapiere anregen und den Dollar-Markt für die Kreditaufnahme durch Immobilienfinanzierer öffnen, die sich damit schwer tun, Mittel in Fremdwährungen aufnzunehmen. Auch für den Privatsektor könnte so der Dollar-Markt aufgebrochen werden. Solche Emissionen könnten auch den Aufwärtsdruck auf die langfristigen Dollar-Zinsen verringern.

Der Renminbi selbst dagegen eignet sich denkbar schlecht für diese Zwecke. Sein Wert ist ebenso wie der Umtausch nach wie vor starken Kontrollen unterworfen. Eine US-Mittelaufnahme in Yen und Euro allerdings würde internationalen Investoren eine attraktive, liquide Alternative zu den Treasuries bieten. Darüber hinaus würde eine Kreditaufnahme in Yen den USA die Möglichkeit einräumen, die niedrigeren japanischen Zinsen anzuzapfen und zugleich den Anstieg der japanischen Währung gegenüber dem Dollar zu dämpfen - ein Schritt, den die zuständigen japanischen Behörden begrüßen würden.

Vorausgesetzt, die Mittelaufnahme in Fremdwährungen der USA bliebe auf maximal 20 bis 25 Prozent ihrer Verbindlichkeiten beschränkt, also auf etwa insgesamt drei Bill. Dollar, hielte sich das Währungsrisiko des amerikanischen Schatzamtes in Grenzen. Gleichzeitig wäre die Notwendigkeit, die Schulden mit "echtem Geld" abzubezahlen, der Fiskaldisziplin der sonst so verschwenderischen US-Regierung zuträglich.

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