US-Wirtschaft
Noch nicht einmal das Ende des Anfangs

Das US-BIP ist im zweiten Quartal um 1,9 Prozent geklettert, was weitgehend auf Steuernachlässe für die Verbraucher zurückzuführen ist. Die Exporte und die Ausgaben der Regierung gehörten zu den Wachstumsbereichen. Aber die schwache persönliche Finanzsituation der Konsumenten und ein allgemeines Wachstum unter pari weisen auf weitere Kreditprobleme in der Zukunft hin. Eine offizielle Rezession in den USA könnte also nur aufgeschoben sein.

Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im zweiten Quartal um 1,9 Prozent geklettert, was weitgehend auf die Steuerschecks zurückzuführen ist, die als Teil des Konjunkturprogramms der Regierung Bush verschickt worden waren. Die Exporte und die Regierungsausgaben gehörten zu den Wachstumsbereichen. Aber die schwache persönliche Finanzsituation und ein unter pari liegendes Wirtschaftswachstum weisen auf weitere Kreditprobleme in der Zukunft hin. Eine offiziell anerkannte Rezession in Amerika könnte also nur aufgeschoben sein.

Auf welcher Flugbahn sich die US-Wirtschaft bewegt, ist schwierig vorherzusagen. Und Quartalszahlen zum BIP sind dabei auch keine große Interpretationshilfe. Im Jahr 2001 tauchten von einer Rezession geprägte Quartale auf und verschwanden wieder, als die Schätzungen revidiert wurden, bevor man am Schluss übereinkam, dass gemäß der offiziellen Definition der Rezession, der zufolge die Veränderungsraten in zwei aufeinander folgenden Quartalen unter Null liegen müssen, überhaupt keine vorlag. Die jährlichen Revisionen der BIP-Zahlen von 2005 bis 2007 in diesem Monat haben den allgemeinen Trend nur moderat nach unten korrigiert. Aber eine "statistische Diskrepanz" für das Jahr 2006 von 1,2 Prozent des BIP (das entspricht 163 Mrd. Dollar in echtem Geld) lässt darauf schließen, dass da noch beträchtliche Unsicherheiten herrschen.

Zwischen Mitte 2006 und Mitte 2008, so lässt sich aus den in diesem Monat vorgelegten Daten ablesen, waren drei Quartale eines unter pari liegenden Wachstums von durchschnittlich 0,8 Prozent - was praktisch einer Rezession gleichkommt, wenn man bedenkt, dass die US-Bevölkerung um ein Prozent zugenommen hat - von zwei Quartalen mit einem überschwänglichen Zuwachs von 4,8 Prozent abgelöst worden, auf die jetzt weitere drei Quartale mit durchschnittlich plus 0,8 Prozent gefolgt sind. In den zwei Quartalen mit einer kräftigen Expansion in der Mitte 2007 ist die größte Kreditkrise seit Jahrzehnten detoniert. Sicher hat damals niemand ein starkes Wachstum registriert. Daher bleibt zu fragen, welche Bedeutung die Quartalszahlen zum BIP eigentlich genau haben.

Und dennoch, dieses Mal scheinen sich einige negative Indikatoren abzuzeichnen. Das Konjunkturpaket der Regierung, das vorwiegend im Mai und Juni umgesetzt worden ist, hat rund 130 Mrd. Dollar zum persönlichen Einkommen beigetragen und damit 4,2 Prozent von dessen nominalen Anstieg um 7,4 Prozent ausgemacht. Ohne diesen Faktor wären die Einkommen hinter der Inflation zurückgeblieben.

Die persönlichen Ersparnisse haben im Berichtsquartal nur um 60 Mrd. Dollar zugelegt, so dass zum 30. Juni weniger als die Hälfte des Konjunkturpakets verblieben war, um den nachfolgenden Verbrauch anzukurbeln. Das könnte darauf hindeuten, dass sich der finanzielle Engpass für den Konsumenten, der im zweiten Quartal gelindert worden war, sich für den Rest des Jahres 2008 verschlimmern könnte.

Da die Verbraucher unter Druck geraten sind, die Immobilienpreise ihren Abstieg (wenn auch möglicherweise etwas langsamer) fortsetzen und das BIP bestenfalls schleppend wächst, dürften sich die Kreditprobleme sowohl im Verbraucherbereich als auch im Sektor für hochverzinsliche Unternehmensanleihen verstärken. Dies lässt darauf schließen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in den kommenden Monaten fortbesteht, selbst nach der offiziellen Definition. Aber es könnte schon bis 2010 oder sogar noch länger dauern, bevor wir dies wissen können.

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