US-Wirtschaft
Viel Lärm um 0,6 Prozent

Durch das schwache Wachstum der US-Wirtschaft im vierten Quartal haben sich die Mutmaßungen über eine unmittelbar bevorstehende Rezession intensiviert. Aber die amerikanischen Verbraucher geben weiter Geld aus. Die Nöte der US-Wirtschaft beschränken sich immer noch auf den Immobiliensektor und immobilienbezogene Finanzgeschäfte. Eine Politik, die stark auf Anreize setzt, zielt darauf ab, dass dies so bleibt.

Die Angst vor einer Rezession in den USA wurde erneut von der schwachen Wachstumsrate der US-Wirtschaft im vierten Quartal um 0,6 Prozent auf Jahresbasis angefacht. Aber die Verbraucherausgaben sind nicht ins Stocken geraten. Der Abschwung beschränkt sich immer noch weitgehend auf den Immobiliensektor und immobilienbezogene Finanzgeschäfte.

Das langsame Wachstum ist vor allem auf das Schrumpfen von nur zwei Komponenten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zurückzuführen. Die Wohnungsbau-Investitionen sind auf Jahresbasis um 24 Prozent gefallen, wodurch allein 1,2 Prozentpunkte von der allgemeinen Wachstumsrate abzuziehen sind. Dem ausgeprägten Rückhang waren sieben rückläufige Quartale in Folge vorausgegangen. Diese Entwicklung spiegelt die rationale Reaktion der Wohnungsbauer auf das Überangebot an Häusern auf dem Markt wider.

Wenn die Nachfrage nach Wohnimmobilien nicht gefallen wäre, hätte das US-BIP 2007 um respektable 3,2 Prozent zugelegt. Die tiefe Rezession auf dem Immobiliensektor hat die Wachstumsrate auf 2,2 Prozent nach unten gezogen, das ist der niedrigste Zuwachs seit fünf Jahren.

In anderen Bereichen lassen sich jedoch kaum Anzeichen für eine Rezession ausmachen. Die Unternehmen haben, vielleicht aus Angst vor einem tief greifenden Abschwung, ihre Lagerbestände im vierten Quartal gekürzt. Das hat einen Rückgang des Quartalswachstums um einen weiteren Prozentpunkt ausgemacht. Aber die Verbraucherausgaben halten stand. Sie kletterten im vierten Quartal um 2,0 Prozent, wobei die Ausgaben für langlebige Wirtschaftsgüter sogar um 4,2 Prozent stiegen.

Gut, der Index der Philadelphia Fed für Januar zeigte sich äußerst schwach und die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Aber der ADP-Arbeitsmarktbericht, der am Dienstag veröffentlicht worden war, entspricht einer Erhöhung im Januar um 130 000 Stellen im Privatsektor und zeigt sich damit viel besser als erwartet.

Die Verbraucherausgaben würden natürlich ins Stocken geraten, wenn die Arbeitslosigkeit weiter steigt. Eine Rezession wäre dann unvermeidlich. Aber die politisch Verantwortlichen fahren jetzt alle Geschütze auf, um diese Bedrohung abzuwehren. Das Konjunkturpaket der US-Regierung über 150 Mrd. Dollar wird den Verbrauchern Geld an die Hand geben. Und die außergewöhnliche Zinssenkung der US-Notenbank Fed um eineinviertel Prozentpunkte - innerhalb einer einzigen Woche – hat dazu geführt, dass die kurzfristigen Zinsen unter der Inflationsrate liegen.

Die Anreize sind gewaltig und laufen Gefahr, die Inflation anzufachen. Aber das scheint die Fed nur entfernt zu beunruhigen. Sie will dafür sorgen, dass die Explosion auf dem Immobiliensektor keine allzu großen Kollateralschäden verursacht, wie etwa die Kreditversicherer kommunaler Schuldverschreibungen nach unten zu ziehen. Mit anderen Worten ist die Zentralbank bereit, ihre Referenzen hinsichtlich der Bekämpfung der Inflation aufs Spiel zu setzen, damit die Schwäche der US-Wirtschaft buchstäblich „hausgemacht“ bleibt.

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