US-Zeitungsverlag
Streit um den Insolvenzplan der „Tribune“

Eine Gruppe von Gläubigern des US-Zeitungsverlags Tribune geht gegen den Insolvenzplan der Firma vor. Sie argumentieren, der Buyout durch Sam Zell hätte niemals stattfinden dürfen. Die Kapitalgeber anderer in Schwierigkeiten geratener Übernahmen könnten animiert werden, ähnliche Klagen vorzubringen. Doch ihre Fälle dürften sich nicht ganz so aussichtsreich präsentieren.
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Die Auseinandersetzung zwischen den Anleihe-Inhabern und dem insolventen US-Zeitungsverlag Tribune wächst sich zu einer regelrechten Schlacht aus. Trotzdem dürfte sie wahrscheinlich keine Präzedenzwirkung für einen ausufernden Krieg unter den vielen in Schwierigkeiten geratenen fremdfinanzierten Übernahmen in Amerika ausüben. Eine Gruppe von Gläubigern der Muttergesellschaft der "Los Angeles Times", die auch die "Chicago Tribune" herausgibt und ein Baseballteam ihr eigen nannte, geht gegen den Insolvenzplan der Firma vor und argumentiert, der Buyout durch den Investor Sam Zell hätte von vornherein nicht erlaubt werden dürfen.

Die Geldgeber anderer Unternehmen, die hohe Kredite aufgenommen haben, könnten animiert werden, ähnliche Klagen vorzubringen. Doch der schnelle Niedergang der Tribune legt nahe, dass es sich hierbei um einen besonders ungeheuerlichen Fall handelt.

Die Bond-Inhaber, die mehr als 18 Prozent der Schuldtitel repräsentieren, haben so genannte "Gläubigeranfechtungsforderungen" vorgebracht. Sie behaupten, der zwölf Milliarden Dollar schwere Deal für die Gruppe habe sich für die Aktieninhaber der Tribune auf unfaire Weise ausbezahlt, während er für die Kapitalgeber zu einer Nachrangigkeit geführt habe, bevor sich das Unternehmen im Übermaß verschuldet habe.

Wenn fremdfinanzierte Übernahmen schief gehen, sind derlei Anfechtungsforderungen seitens geschädigter Anleihe-Inhaber keine Seltenheit. Sie können auf zwei Wegen zum Erfolg gelangen. Zunächst einmal können sie zeigen, dass die Gläubiger den Deal abgeschlossen haben, obwohl sie wussten, dass er das Unternehmen in den Ruin führen würde. Gewöhnlich funktioniert dies allerdings nur, wenn die Firma innerhalb eines Jahres Pleite geht - eine Voraussetzung, die die Tribune besonders gut erfüllt.

Dies trifft auf andere angeschlagene Übernahmen nicht zu. Zu den Wackelkandidaten gehören etwa der Rundfunksender Clear Channel und die Casino-Gruppe Harrah?s Entertainment, die beide im Jahr 2008 übernommen wurden und schwer zu kämpfen haben, allerdings bisher einen Antrag auf Gläubigerschutz vermeiden konnten.

Die Bond-Inhaber der Tribune könnten auch gewinnen, wenn dem Verlag nachgewiesen werden kann, dass er zum Zeitpunkt des Abschlusses effektiv insolvent war, oder wenn der Gesamtwert des Unternehmens weniger betrug hat als die zu seinem Kauf eingesetzten Kredite. Das könnte knifflig werden, denn Werte können der Subjektivität unterliegen und sich mit der Zeit ändern.

Allerdings sieht der Deal von Zell, betrachtet man ihn im klareren Licht der Ära nach der Krise, aggressiver aus als andere. Die Tribune war mit Verbindlichkeiten beladen, die einen Gesamtwert des Unternehmens von mehr als dem Elffachen des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen ergaben. Die Werte von Konkurrenten wie der New York Times Co lagen bei etwa dem Siebenfachen. Das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital der Tribune betrug 24 zu eins, bei der Übernahme von Clear Channel lag das Verhältnis im Vergleich bei sieben zu eins.

Unbesicherte Gläubiger anderer in Schwierigkeiten geratener Buyouts könnten versucht sein, ähnliche Klagen vorzubringen. Doch die schnelle Talfahrt der Tribune in die Pleite macht diesen Fall besonders aussichtsreich. Gewinnen die Anleihe-Inhaber, könnten sich Nachahmer zu ähnlichen Verfahren aufschwingen. Doch genau so gut könnte ein Sieg der Gläubiger die Übernahmefirmen davon überzeugen, ihre Zombie-Firmen noch ein wenig länger aus der Insolvenz herauszuhalten.

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