USA
Aktionäre an die Macht

Seitdem die Gesetzgeber die Aktionärsrechte festgeschrieben haben, haben die Investoren bewiesen, wie überflüssig dies war. Auch ohne Unterstützung von der Regierung lassen Aktionäre in den Vereinigten Staaten ihre Muskeln spielen und besetzen beispielsweise Aufsichtsräte neu.
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Die US-Aktionäre sind in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Seitdem die Demokraten am 19. Mai einen Gesetzeskatalog für Fragen der Unternehmensführung eingeführt haben, haben die Investoren auf einer Reihe von Hauptversammlungen von ihrem Mitspracherecht Gebrauch gemacht. Manchmal haben sie für einen Wandel gestimmt, manchmal für die Beibehaltung des Status quo. Auf jeden Fall stellen sie unter Beweis, dass sie keine neuen Gesetze zu ihrem Schutz brauchen.

Nehmen wir zum Beispiel Saks Fifth Avenue. Der Aktionär P. Schoenfeld Asset Management war dafür eingetreten, der zeitlichen Staffelung der Mandate der Board-Mitglieder der Firma ein Ende zu setzen. Die bisherige Vorgehensweise verringere die Verantwortlichkeit und fördere die Selbstzufriedenheit. Zudem wurde ein weiterer Aktionärsvorschlag unterstützt, dass die Board-Mitglieder nun die Mehrheit der Stimmen erlangen müssen, um gewählt zu werden. Nach den vorläufigen Ergebnissen sind beide Maßnahmen gebilligt worden. Und auch wenn sie nicht bindend sind, wäre Saks nicht gut beraten, sich ihnen zu widersetzen.

Das "Bill of Rights" der Aktionäre, das die Senatoren Charles Schumer und Maria Cantwell vorgeschlagen haben, enthält auch diese beiden Elemente. Die sechs Säulen des Gesetzeskatalogs schreiben des weiteren die Trennung der Rollen des Chairman und des Chief Executive vor - ein Gebiet, auf dem sich die Aktionäre ebenfalls schon deutlich artikuliert haben. Rex Tillerson von ExxonMobil wird nun schon im vierten Jahr in Folge in beiden Rollen von den Anteilseignern unterstützt. Darüber hinaus war die Zustimmung zu dieser Gesetzesergänzung, über die ebenfalls im vergangenen Jahr abgestimmt worden war, um ein Viertel gefallen.

Auch hinsichtlich ihrer Vertretung im Board von Unternehmen haben die Investoren ein Wörtchen mitzureden. Dies ist ein weiterer Bereich, der gesetzlich vorgeschrieben werden soll. Der aktivistische Investor Carl Icahn konnte mindestens einen Sitz im obersten Verwaltungsgremium der Biotech-Firma Biogen Idec ergattern. Eine Woche vorher war der ebenfalls zu den Aktivisten zählende Bill Ackman daran gescheitert, die Aktionäre von Target davon zu überzeugen, seine Kandidaten zu unterstützen, auch wenn er vehement in der Öffentlichkeit für sie geworben hatte.

Alle diese Entscheidungen zeigen, dass den Aktionären die Wahl gelassen wird. Und dass sie diese auch wahrnehmen. Auch wenn der Vorschlag von Schumer politisch reizvoll sein mag, erscheint dieser Ansatz einer Patentlösung für alle Fälle reichlich überflüssig zu sein.

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