USA
Mit dem Wachstum kommt die Inflation

Die Märkte hatten darauf gesetzt, dass die USA auf den Wachstumspfad zurückkehren. Inflationäre Tendenzen waren dabei allerdings nicht vorgesehen. Es mehren sich jedoch die Anzeichen für einen bereits wieder auflebenden Preisdruck. Wenn die Fed darauf reagiert, könnte die globale Liquiditätsparty zu Ende gehen – nach einer extremen Aufwärtsbewegung, die durch einen extremen geldpolitischen Kurs gestützt wurde.
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Die Nerven der Finanzmarktteilnehmer liegen wieder einmal blank. Schuld daran sollen ihre Bedenken über die Verfassung der Banken sein. Doch es könnte noch etwas anderes dahinter stecken. Jüngste Konjunkturdaten aus den USA deuten darauf hin, dass sowohl das Wachstum als auch die Teuerung wieder aufleben.

Der amerikanische ISM-Bericht für das verarbeitende Gewerbe im August, der die Einschätzung der Einkaufsmanager über die Geschäftsbedingungen in diesem Sektor wiedergibt, wies auf zwei Gebieten eine starke Entwicklung auf: bei den Auftragseingängen und den bezahlten Preisen. Der Positivsaldo bei den Aufträgen erhöhte sich auf 65 Prozent nach 55 Prozent im Juli.

Doch diese willkommene Kunde wurde von einem dunklen Schatten begleitet. Rund 65 Prozent der Befragten berichteten auch über steigende Preise. Im Juli waren es noch 55 Prozent der Umfrageteilnehmer gewesen. Im Gegensatz dazu war die Kennzahl für die Beschäftigung mit 46 Prozent vorhersehbar schwach. Die US-Firmen sind zwar noch nicht dazu bereit, mehr Arbeitskräfte einzustellen, doch sie scheinen in der Lage zu sein, die Preise unmittelbar zu erhöhen.

Das ist sowohl für die Märkte als auch für die US-Notenbank Fed eine unangenehme Überraschung. Bei der jährlichen globalen Konferenz der Zentralbanker, die vor einigen Tagen in Wyoming abgehalten wurde, hatte der Vize-Chairman der Fed, Donald Kohn argumentiert, das Ziel der Fed, die Zinsen für eine lange Zeit niedrig zu halten, lasse sich mit der anhaltend geringen Inflation vereinbaren.

In den vergangenen Monaten haben mehrere Fed-Vertreter einen einfachen Grund für ihre Zuversicht angeführt: Die Kapazitätsauslastung in den USA verzeichnet Rekordtiefststände. Theoretisch sollte dies einen intensiven Preiswettbewerb - und eine niedrige Inflation - implizieren.

Doch in der Praxis scheint der Preisdruck genau so schnell aufzutauchen wie die Nachfrage. Das dürfte auch gar keine allzu große Überraschung sein. Um die Gefahr einer Deflation abzuwehren, haben die Notenbanken rund um die Welt Billionen gedruckt, während die Regierungen Defizite angehäuft haben, die ebenfalls in die Billionen gehen.

Ein Teil dieser Liquidität hat sich einen Weg auf die Finanzmärkte gebahnt und dort erstaunlich ausgeprägte Aufwärtsbewegungen mitten im schwersten Wirtschaftsabschwung seit Jahrzehnten unterstützt. Doch jetzt könnte die Liquiditätsausweitung erstmals ihr Hauptziel erreichen: eine Wiederbelebung des Wachstums und ein Ende der Deflation.

Das eindeutige Risiko liegt darin, dass die Deflation nicht von einer niedrigen Inflation, sondern von einem spürbaren Preisanstieg abgelöst wird. Die Liquiditätsschwemme muss vielleicht viel früher als die Fed oder die Märkte dies erwartet haben, durch Zinserhöhungen trocken gelegt werden. Monate der Nervosität liegen vor uns, während derer die Fed und andere Notenbanken ihren Kurs möglicherweise neu einstellen müssen. Es sieht ganz so aus, als wären extreme Markterholungen in Gefahr. Doch auch die Nachhaltigkeit einer wirtschaftlichen Verbesserung wird fraglich bleiben.

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