Vale-Xstrata
Das Schattengebot

Es wird schwer für die brasilianische Vale, die Hindernisse zu überwinden, die sie von einer überzeugenden Offerte für die britische Konkurrentin Xstrata abhalten. Aber anders als das synergiegetriebene Gebot von BHP-Billiton für Rio Tinto, ist dies hier kein Deal, auf den die Beteiligten wirklich angewiesen sind.

Die Chancen von Vale, sich Xstrata zu schnappen, schwinden zusehends. Die brasilianische Minengesellschaft sieht sich bei der geplanten Übernahme ihrer 88 Mrd. Dollar schweren britischen Konkurrentin zwei großen Problemen gegenüber. Erstens hat der fallende Kurs der Vale-Aktien mittlerweile den Wert der kombinierten Bar- und Aktien-Offerte um zehn Mrd. Dollar geschmälert. Zweitens will der größte Einzelaktionär von Xstrata, der schweizerische Metallhändler Glencore, einen zusätzlichen Deal zu besseren Konditionen, als Vale ihm zu geben bereit ist. Sollte der Zusammenschluss aller Wahrscheinlichkeit nach jedoch nicht zustande kommen, ist das noch lange kein Grund zum Trauern – keine der beiden Parteien braucht ihn wirklich.

Während die andere große Transaktion im Bergwerksektor, die Offerte über 150 Mrd. Dollar von BHP Billiton für Rio Tinto, auf wirklichen Synergien beruht, dreht sich Vales Werben um Xstrata um Diversifizierung. Die Synergien, abgesehen davon, dass man benachbarte Nickelprojekte in Kanada zusammenlegen könnte, sind gering. Was Vale eigentlich im Sinn hat, ist, ihre Abhängigkeit von Brasilien und vom Eisenerz zu verringern. Aber das ist kein Argument, das alle anderen aussticht. Die Investoren sind schließlich sehr wohl selbst in der Lage, ihr Portfolio zu streuen.

Die Brasilianer könnten anführen, dass schiere Größe allein schon Vorteile hat. Einer der Vorzüge könnte darin liegen, dass die Anleger einen Aufschlag für die Investition in einen Superprimus zahlen würden, wodurch sich seine Bewertung um vielleicht einmal die zukünftigen Ergebnisse vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erhöhen könnte. Das wären noch einmal 36 Mrd. Dollar extra. Eine größere Gruppe könnte sich auch die Technologie teilen und liquide Mittel, die mit einem Rohstoff erwirtschaftet wurden, für opportunistische Investitionen in andere Rohstoffe verwenden.

Auf diese Art von Argumenten greifen Minengesellschaften zurück, wenn die Metallpreise hoch sind. Aber keine Begründung rechtfertigt, dass Xstrata zu dem von Vale vorgeschlagenen Aufschlag von 18 Prozent verkauft wird. Bei einer Fusion mit dem Konkurrenten Anglo American, mit dem es sich Kupfer- und Kohle-Projekte teilt, könnte Xstrata von Größenvorteilen und umfangreicheren Synergien profitieren. Und es gibt kaum Anzeichen dafür, dass Xstata, die im vergangenen Jahr ein Ebitda von 23 Mrd. Dollar vorgewiesen hat, in einer Liquiditätsklemme sitzt.

Momentan ist Vale der einzige Ernst zu nehmende Anwärter auf Xstrata. Cynthia Carroll, die die Leitung von Anglo noch nicht allzu lange innehat, verfolgt ihre eigene Wachstumsstrategie. Aber da BHP und Rio wahrscheinlich für Monate in Kartellprobleme verstrickt sein dürften, liegt der Wettbewerbsdruck auf Xstata, einen Deal machen zu müssen, praktisch bei Null. Und da Vale mehr vorweisen muss als ein Schattengebot – und noch dazu eines, das weder über einen bemerkenswerten Aufschlag noch eine zwingende Branchenlogik verfügt –, sollte niemand über das wahrscheinliche Dahinscheiden dieser Offerte jammern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%