Veolia
Besser spät als nie

Veolia hat unter allen Werten des französischen CAC-40-Index in diesem Jahr am schlechtesten abgeschnitten. Das ist merkwürdig, wenn man Branchenführer in einem schnell wachsenden Sektor wie dem der Umweltdienstleistungen ist. Aber drei Gewinnwarnungen innerhalb von sechs Monaten kratzen wirklich an der Glaubwürdigkeit. Das Management ist endlich aufgewacht, aber seine Pläne nehmen sich bescheiden aus.

Man könnte es den Aktionären von Veolia Environnement nachsehen, wenn sie vergessen hätten, dass ihr Geld in einem Weltmarktführer steckt, der auf sichere langfristige Verträge zurückgreifen kann und der von der wachsenden Nachfrage nach Umwelt-, Transport- und Energiedienstleistungen gestützt wird. Woran sich diese bemitleidenswerten Aktionäre aber ganz sicher erinnern, ist die Tatsache, dass Veolia bisher in diesem Jahr unter allen Werten des französischen CAC-40-Index am schlechtesten abgeschnitten hat. Selbst die von der Subprime-Krise gebeutelten Banken Frankreichs haben sich besser entwickelt als die ehemalige Wasserversorgungstochter von Vivendi.

Natürlich können drei Gewinnwarnungen innerhalb von sechs Monaten einer Aktie schweren Schaden zufügen. Das Management von Veolia hätte sicherlich besser erklären können, warum seine auf hohes Wachstum ausgerichtete Strategie auf die Rentabilität drückt, besonders wenn die Währungen starke Schwankungen verzeichnen und die Energiepreise in den Himmel schießen. Nennen wir es den Fluch der J-Kurve: Die hohen Investitionen schlagen sich nicht umgehend im Gewinn nieder. In der ersten Hälfte des Jahres 2008 ist der Umsatz von Veolia um 17 Prozent gestiegen, während der Gewinn nur um mickrige 1,5 Prozent geklettert ist.

Das Management scheint nun endlich aufgewacht zu sein. Es hat die Verdopplung seines Kostensenkungsprogramms und einen Plan zur Veräußerung von Vermögenswerten über rund 1,5 Mrd. Euro bis zum Ende des Jahres 2009 vorgestellt. Zudem hat die Unternehmensleitung versprochen, bei ihrer Investitionspolitik disziplinierter vorzugehen. Allein die Ankündigung reichte schon aus, um den Aktienkurs um acht Prozent nach oben zu treiben.

Aber das Kostenkürzungsprogramm beläuft sich nur auf rund zwei Prozent der Kostenbasis. Und der geplante Verkauf von Vermögenswerten würde den Verschuldungsgrad des Unternehmens um nicht viel mehr senken, als um den Betrag der zusätzlichen Schulden, die es im Verlauf der vergangenen sechs Monate aufgenommen hat. Mit 16 Mrd. Euro entspricht die Gesamtverschuldung ohnehin schon dem 3,6fachen des für dieses Jahr geschätzten Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. In Zeiten der finanziellen Herausforderungen ist dies keine sonderlich komfortable Lage.

Aber besser spät als nie. Und besser, wenigstens irgendeinen Plan zu haben, als immer nur diesen unfairen Märkten die Schuld zu geben. Die Fundamentaldaten des Unternehmens bleiben stark, aber die Investoren sind nervös. Es müsste nur ein Ereignis wie etwa der Verlust eines wichtigen Kontrakts eintreten - die Verlängerung der Wasserkonzession der Stadt Paris etwa steht zur Verlängerung an -, und schon würde der Aktienkurs wieder talwärts rauschen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%