Verhältnis von Verschuldung zu BIP
US-Defizit: Finanzgulasch

"Keine andere europäische Regierung hat etwas so Dummes getan wie wir", hatte der ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany im Mai 2006 über die Fiskalpolitik seines Landes gesagt. Bis 2012 könnten die politisch Verantwortlichen in den USA seine Worte wiederholen. Vielleicht sind US-Staatspapiere doch kein wirklich sicherer Hafen mehr.

Das Verhältnis der Verschuldung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt in den USA, basierend auf den Kosten für die Konjunkturpakete und die Bankenrettungen, vehement an. Bis 2011 könnte Amerika mit dem derzeit in Ungarn zu verzeichnenden Verhältnis gleichziehen, welches aufgrund von übermäßig großzügigen Ausgaben und von Überbleibseln aus der Zeit zentral geplanter Geldverschwendung in die Höhe geschossen war. Neben anderen wichtigen Faktoren lässt dies darauf schließen, dass sich die Kreditqualität der momentan mit einem Spitzen-Rating versehenen US-Staatstitel tendenziell auf das Niveau von ungarischen Staatsanleihen hinbewegen könnte, die eher am unteren Ende der noch als erstklassig eingestuften Hackordnung zu finden sind. Das kommt jetzt nicht gleich einem absoluten Desaster gleich, aber es bedeutet allerdings, dass Treasuries für die Investoren kein wirklich sicherer Hafen mehr sind.

Gehen wir einmal davon aus, dass die Defizitprognosen des Haushaltsbüros des US-Kongresses (CBO) für 2009 und 2010 zutreffen, und rechnen wir die Kosten für das Konjunkturpaket, die Bankenrettungen und für die Mittelaufnahme mit ein, dann würde die öffentliche Verschuldung der USA von rund 41 Prozent des BIP im September 2008 auf etwa 70 Prozent des BIP im September 2011 klettern - das ist in etwa das Verhältnis, das Ungarn im Dezember 2008 aufgewiesen hatte.

Nach 2011 dürfte sich nach Ansicht von Volkswirten in den USA das Verhältnis von Verschuldung zu BIP wieder abschwächen. Das CBO rechnet damit, dass die Fehlbeträge nach 2012 bei weniger als zwei Prozent des BIP liegen werden. Zu diesem Zeitpunkt sollte auch das Kapital, das dem Bankensystem im Zusammenhang mit den Stützungsprogrammen der US-Regierung zugeführt worden ist, den Steuerzahlern erstmals Renditen bescheren.

Doch die Abwärtsrisiken sind beträchtlich. Die CBO-Prognosen basieren auf optimistischen Annahmen: dass das Wachstum zwischen 2011 und 2014 bei durchschnittlich vier Prozent jährlich liegen wird, dass die Steuersenkungen der Bush-Regierung und andere Steuererleichterungen allesamt im Dezember 2010 auslaufen und dass die nach Ermessen zu tätigenden Ausgaben sich nach 2010 nur im Einklang mit der Inflation erhöhen.

Das Szenario der rückläufigen Verschuldung geht zudem davon aus, das keine der Ausgaben aus dem Konjunkturpaket nach 2010 in den jährlichen Ausgabenkatalog hinüberwandert. Sollte sich die Rezession verschärfen oder über das Ende des Jahres 2010 hinaus fortdauern, könnten sich höhere Etatdefizite fest einbürgern. Und schließlich verlässt sich die CBO-Prognose darauf, dass die US-Zinsen niedrig bleiben. Da die durchschnittliche Laufzeit der Treasury-Bonds nun bei nur noch 48 Monaten liegt, würden höhere Zinsen schnell in höhere Kreditkosten und Budgetdefizite einfließen.

"Keine andere europäische Regierung hat etwas so Dummes getan wie wir", hatte der ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany im Mai 2006 über die Fiskalpolitik seines Landes gesagt. Bis 2012 könnten die politisch Verantwortlichen in den USA seine Worte wiederholen.

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