Verkauf der Dresdner ist kein Allheilmittel
Test fürs Management

Die Allianz könnte noch in dieser Woche ihr Problemkind an den Frankfurter Konkurrenten Commerzbank verkaufen. Die kombinierte Commerz-Dresdner würde zum nationalen Spitzenreiter werden, allerding noch nicht zum internationalen Powerhouse. Aber für die fragmentierte deutsche Bankenlandschaft wäre der Zusammenschluss vielleicht eher ein Fehlstart als die Morgendämmerung.

An diesem Wochenende könnte ein neuer deutscher Bankenstern am Himmel aufgehen. Eine Fusion zwischen Commerzbank und Dresdner Bank würde ein Unternehmen hervorbringen, das dem langjährigen König im deutschen Bankgeschäft, der Deutschen Bank, Konkurrenz machen könnte. Aber bei der neuen Bankenkombination handelt es sich um eine eher symbolische, oberflächliche Konsolidierung, nicht um eine grundlegende Umstrukturierung an der Basis. Es wird Aufgabe des Managements sein, den kombinierten Konzern zum Laufen zu bringen - und den Weg für weitere Kombinationen frei zu machen.

Eine Commerzbank-Dresdner Fusion berührt viele Ebenen. Die Allianz entkommt einer gescheiterten Ehe mit der Dresdner, die ihre Leistungsstärke gebremst und den Aktienkurs unter Druck gesetzt hat. Die Dresdner findet ein neues Zuhause in der Bankenbranche und verlässt ein versicherungslastiges Konglomerat. Die Commerzbank tritt aus dem Schatten der Deutschen Bank heraus. Deutschland und Europa gewinnen eine neue machtvolle Bank.

Die Gewerkschaften und einige Politiker dürften dagegen weniger glücklich sein. Sie glauben – wahrscheinlich zu Recht – dass weitaus weniger Arbeitsplätze verloren gingen, wenn die China Development Bank die Dresdner kaufen würde. Aber genau hier liegt der springende Punkt. Das Unvermögen, aus Unternehmenszusammenschlüssen Effiziengewinne hervorzupressen, schwebt schon lange als Damoklesschwert über der deutschen Bankenlandschaft. Wenn die Kunden und Aktionäre besser bedient werden sollen, müssen Deutschlands Banken den notwendigen Rationalisierungsmaßnahmen direkt ins Auge blicken.

Es stimmt zwar, dass die Zahl der Institute, die an die Deutsche Bundesbank – die Zentralbank – berichten, in den letzten fünf Jahren um etwa 250 gefallen ist. Aber Deutschland hat in den drei Säulen seines Bankensystems immer noch etwa 2.000 Banken, staatliche, genossenschaftliche und private. Nur etwa 260 davon sind Geschäftsbanken.

Die Regierung, die fünf Wirtschaftsweisen, die Sparkassenorganisation und die Europäische Kommission haben alle darauf hingewiesen, dass der Wettbewerb unter den deutschen Banken zunehmen muss. Das erfordert eine geringere Zahl von Banken, die aber größer und stärker sein müssen. Eine Commerzbank-Dresdner-Fusion, die zur größten seit der Dresdner-Übernahme durch die Allianz werden würde, könnte hier hilfreich sein.

Aber schließlich wird das Management das größte Hindernis dabei sein, dem symbolischen Akt auch Taten folgen zu lassen. Dresdners Management ist trostlos. Die Commerzbank hat sich mit der Integration der 2005 akquirierten Hypothekenbank Eurohypo ausgesprochen schwer getan. Das Management kleinerer Unternehmen ist häufig schwächer. Ein Zusammenschluss zwischen Commerzbank und Dresdner wird damit auch zu einem entscheidenden Test für das Führungsteam.

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