Verkauf der italienischen Staatsfluglinie Alitalia
Rettung aus der Luft

Die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM hat offiziell Interesse an einer Übernahme der bankrotten italienischen Staatsfluglinie Alitalia bekundet. Falls die italienische Regierung Air France den Zuschlag erteilt, sollte das Unternehmen bei der Aushandlung der Konditionen sehr standfest bleiben. Zu viel Ärger ist Alitalia nämlich nicht wert.

Air France/Alitalia: Warum erwägt die weltgrößte Fluggesellschaft Air France-KLM den Kauf eines bankrotten Wettbewerbers, noch dazu in politisch aufgeladener Atmosphäre? Auf den ersten Blick erscheint dies rätselhaft. Doch das französisch-niederländische Kaufinteresse könnte sinnvoll sein ? allerdings nur dann, wenn man freie Hand bei der Restrukturierung der Alitalia bekäme.

Investoren haben das Air-France-Interesse an der italienischen Staatsfluglinie noch nie geschätzt. Wann immer Kaufgerüchte aufkamen, ging der Aktienkurs des potenziellen Bieters in den Keller. Am Donnerstag wiederholte sich dieses Schauspiel zunächst. Nachdem aber die Lufthansa eine Teilnahme an der Alitalia-Auktion ablehnte und ein Bieterwettstreit damit unwahrscheinlicher wurde, zogen die Aktien des französisch-niederländischen Konkurrenten wieder an.

Der sich in die Länge ziehende Verkauf des 49-prozentigen Alitalia-Staatsanteils scheiterte in diesem Jahr schon einmal, nachdem von der italienischen Regierung vorgegebene Bedingungen alle eventuellen Käufer abgeschreckt hatten. Diesmal steht der Verkauf auf einem solideren Fundament. Ein Grund ist, dass die Regierung Prodi mit allen Mitteln nach Käufern sucht, weil Alitalia sonst in die Pleite fliegt ? Was manche Beobachter für die beste Lösung halten.

Der neue Alitalia-Chef Maurizio Prato scheint jedoch entschlossen, einen seriösen Käufer zu finden, der das Ruder bei der schwer angeschlagenen Fluglinie herumwerfen kann. Immerhin sind noch zwei Bieter im Rennen: Italiens zweitgrößte Fluggesellschaft Air One und eben Air France-KLM.

Eine Alitalia-Investition scheint allerdings keine gute Idee zu sein. Nicht einmal so sehr wegen des in diesem Jahr erwarteten Verlustes von mehr als 400 Millionen Euro, was knapp zehn Prozent des Umsatzes entspricht. Abschreckend sind vor allem die überalterte Flugzeugflotte und die bockigen Gewerkschaften. Alitalia braucht frisches Geld, das ein Käufer durch eine Bezugsrechtsemission erhalten könnte. Zudem müsste etwa ein Fünftel der Arbeitsplätze abgebaut werden.

Air One wirbt für sein Gebot mit dem Argument, eine italienische Alitalia zu bewahren. Air France hält dagegen, dass man Alitalia dank seiner internationalen Größe schneller profitabel machen kann. Vor einem Einstieg bei Alitalia sollte Air France-KLM sich allerdings völlige Freiheit beim Betrieb von Alitalia zusichern lassen. Wenn man hinsichtlich erhaltenswerter Flugrouten und Flughäfen auf politische Vorlieben Rücksicht nehmen müsste, wäre die Logik hinter einer Übernahme zerstört.

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