Verkaufsbewertungen
Schlechte Zeiten für Verkäufer

Es ist eine schlechte Zeit, um in Europa etwas zu verkaufen. Strittige Preisvorstellungen für die Tui-Schifffahrtsparte Hapag-Lloyd, die Wirtschaftsmagazine von Reed Elsevier, den Breitbandbetreiber Tiscali und die Verlagsgruppe Informa wurden allesamt reduziert. Damit diese Verkäufe zustande kommen, müssen angehende Verkäufer einige harte Entscheidungen treffen.

Die Zeiten sind nicht gut für Verkäufer. Man sehe sich nur die umstrittenen Firmenverkäufe in Europa an: Die Tui-Schifffahrtsparte Hapag-Lloyd, die Wirtschaftsmagazine von Reed Elsevier, den Breitbandbetreiber Tiscali und die Verlagsgruppe Informa. Bevor die Geschäfte in Rollen kommen, sehen sich die Verkäufer mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert.

Seitdem Tui im Mai erstmals einen Verkauf von Hapag-Lloyd ins Auge fasste, sank die erwartete Bewertung um ein Drittel auf 3,5 Milliarden Euro. In der gleichen Zeit verlor der DAX-30-Index nur acht Prozent. Die Tui-Führung, die zuvor Forderungen nach einer Aufspaltung widerstand, sich jetzt aber der Abtrennung der Schifffahrtssparte vom übrigen Reisekonzern verpflichtet hat, könnte sich gezwungen sehen, auf einen Teilverkauf einzugehen – oder die ganze Idee zu verwerfen.

Auch Tiscali wird derzeit um ein Drittel niedriger bewertet als mit den 1,5 Milliarden Euro, die der Gründer Renato Soru wohl ursprünglich haben wollte. Zu hohe Erwartungen, ein schlecht geführter Verkaufsprozess und eine Gewinnwarnung Mitte August scheinen die jüngsten Pläne zum Verkauf des taumelnden Breitbandbetreibers zunichte gemacht zu haben. Weil kein ernsthafter Bieter mehr im Spiel ist und der Breitbandmarkt sich abschwächt, dürfte Tiscali es schwer haben, sich selber zu einem halbwegs anständigen Preis zu verkaufen.

Nicht ganz so schlimm ist die Situation bei den Wirtschaftspublikationen aus dem Hause Reed Elsevier und bei Informa. Man erwartet Gebote, die etwa um ein Zehntel unter den ursprünglichen Preisvorstellungen liegen. Die langsam wachsende Reed-Sparte sollte 1,1 Milliarden britische Pfund bringen, als sie im Februar zum Verkauf gestellt wurde. Jetzt bietet Reed Elsevier eine Kauffinanzierung von bis zu 160 Millionen Pfund an, um sie loszuwerden.

Informa, die im vergangenen Jahr ein Gebot privater Beteiligungsgesellschaften über 620 Pence je Aktie als zu niedrig zurückgewiesen hatten, warten auf ein verbindliches Angebot der verbliebenen Bieter Providence, Carlyle und Blackstone. Die Hälfte dieses Konsortiums deutete im Juni einen Preis von 506 Pence je Aktie an. Seitdem ist der FTSE-100-Index um sechs Prozent gefallen, und zwei potenzielle Bietergruppen für Informa reduzierten sich auf eine. Inzwischen wird ein Gebot eher bei 470 Pence je Aktie erwartet. Informa könnte sich entschließen, zu diesem niedrigen Preis nicht zu verkaufen, doch man hat sich schon einmal in einem fallenden Markt verschätzt.

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