Vermeintliche Schnäppchenjäger
Das große Staatsfonds-Debakel

Staatsfonds haben Kapital in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar in angeschlagene westliche Banken investiert. Die Aktien sind um mehr als ein Drittel gefallen. Hohe Dividenden werden die Verluste begrenzen, doch das Debakel sollte ausreichen, um die Staatsfonds zurückhaltender zu machen, wenn beim nächsten Mal die Bettelschale herumgeht.

Staatsfonds lecken ihre Wunden. Als die Kreditkrise im letzen Jahr ihren Ausgang nahm, eilten sie den westlichen Banken zu Hilfe, indem sie rund 50 Milliarden US-Dollar für Aktien und Wandelanleihen ausgaben. Heute sieht das wie eine schreckliche Investition aus. Der gewichtete Aktiendurchschnitt ist nach breakingviews-Berechnungen um 40 Prozent gefallen.

Am schlechtesten hätte die chinesische Citic abgeschnitten, der sich im letzten Oktober auf eine Investition von einer Milliarde US-Dollar bei Bear Stearns in Zuge eine Gegenseitigkeitsgeschäfts verständigt hatte. Citic ist streng genommen kein Staatsfonds, ungeachtet dessen hatte die Chinesen Glück: Die Transaktion mit Bear Stearns wurde nie abgeschlossen. Dennoch dürfte dieser Beinahe-Verlust die Zweifel am westlichen Finanzsystem verstärken, die schon durch die Drei-Milliarden-Dollar-Investition der China Investment Corporation vor dem Börsengang von Blackstone ausgelöst wurden. Hier summierte sich der Verlust auf ein Drittel des Investitionswerts.

Doch Erfahrung bringt nicht immer Weisheit. Die Government of Singapore Investment Corporation, einer der ältesten Staatsfonds, der oft auch als einer der klügsten gehandelt wurde, sitzt auf dem größten absoluten Verlust: Sechs Milliarden US-Doller Miese ergaben sich aus einer Elf-Milliarden-Dollar-Investition in die schweizerische Bank UBS.

Derartig riesige Verluste sind natürlich peinlich. Es gibt aber einen lindernden finanziellen Faktor. Mit Ausnahme der Vier-Milliarden-Dollar-Wette von Temasek auf Merrill Lynch wurden alle Investitionen in Form hochrentierender Wandelanleihen mit obligatorischer Wandlung getätigt. Dadurch sind den Staatsfonds für eine Reihe von Jahren hohe Dividenden sicher, selbst wenn die Aktien zusammenbrechen und normale Aktionäre vor dem Nichts stehen ? was bei einigen Banken eine zunehmend realistische Aussicht ist.

Typischerweise erfolgt die Wandlung nach zwei Jahren, und die Mehrheit der von Staatsfonds mit Banken ausgehandelten Wandelanleihen rentieren mit rund zehn Prozent jährlich. Dies bietet einen Teilschutz für die Investoren, indem effektiv die Verluste in Hälften geteilt werden. Wenn sich die Aktien innerhalb von zwei Jahren völlig erholen, könnten Verluste sogar ganz vermieden werden.

Wie auch immer es kommt: Verluste oder knapp erzielte Verlustfreiheit sind kaum ein gutes Ergebnis für Wetten, von denen sich Staatsfonds leicht verdientes Geld erhofften. Citic entkam mit einem Rufschaden, doch wenn die Krise fortschreitet, könnten andere Staatsfonds sich als weniger glücklich erweisen. Das Debakel sollte jedenfalls ausreichen, um Staatsfonds davon zu überzeugen, bei der nächsten Runde der Kapitalaufnahme an der Seitenlinie stehen zu bleiben.

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