Versicherungen
Das Ende der transatlantischen Allianz

Nach einer Reihe anderer europäischer Unternehmen will nun auch die Allianz ihre überzähligen Börsennotierungen einstellen - darunter in New York. Der Schritt erspart der Versicherung Kosten und Scherereien mit den unterschiedlichen aufsichtsrechtlichen Bestimmungen.
  • 0

Früher haben sich europäische Unternehmen mit aller Macht um die prestigeträchtige Präsenz auf dem US-Aktienmarkt bemüht. Die New Yorker Börse versprach den Zugang zu Liquidität, eine neue Aktionärsbasis und eine erstklassige Bonitätsbewertung. Aber für viele Firmen reichte die Realität nicht an die Träume heran.

Die Allianz ist nunmehr der vorerst letzte in einer ganzen Reihe von europäischen Emittenten, der die Löschung aus dem Register bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) beantragt und die Notierung seiner Aktien an der New York Stock Exchange (NYSE) beendet. Auch an einigen europäischen Börsen außerhalb Deutschlands sollen die Listings der Allianz-Aktie eingestellt werden.

Man könnte diesen Schritt als charakteristisch gute Haushaltsführung der Allianz werten. Die Gruppe war unter den ersten, die 2006 die neue Rechtsform der Europäischen Gesellschaft annahm. Dadurch wurde die Übernahme der italienischen Tochter RAS einfacher und die Unternehmensführung ließ sich straffer gestalten.

Die außerhalb der Frankfurter Wertpapierbörse unterhaltenen Notierungen zu streichen, könnte jährlich fünf Mill. Euro einsparen, wenngleich dieser Betrag zu vernachlässigen ist, wenn er in das Verhältnis zu der jährlichen Kostenbasis der Versicherung von 20 Mrd. Euro gesetzt wird. Doch wie der Wechsel der Rechtsform, so hat auch dieser Schritt Vorzüge hinsichtlich der Außenwirkung. Er wird die Aufmerksamkeit der Investoren ausschließlich auf die Frankfurter Allianz-Notierung lenken und die Empfindung einer gewissen Sperrigkeit und Unhandlichkeit, die durch Mehrfachnotierungen geschaffen wird, zerstreuen.

Was die NYSE angeht, so verstärkt der Abgang der Allianz einen Trend. US-Institute haben heutzutage größere Freiheiten, in die liquideren inländischen Aktien ausländischer Unternehmen zu investieren. American Depository Shares haben daher viel von ihrem Reiz verloren. Und die Belastungen durch das Sarbanes-Oxley-Gesetz führten dazu, dass eine US-Notierung vielen europäischen Emittenten mehr Schwierigkeiten als Nutzen einbrachte. Als die SEC im Jahr 2006 die Einschränkungen für die Deregistrierung ausländischer Emittenten lockerte, suchten solch bekannte europäische Namen wie Bayer, BG Group und Vivendi eilends das Weite.

Aber der Verlust einer weiteren europäischen Sekundärnotierung stellt keine Katastrophe für die US-Börse und ihre Muttergesellschaft NYSE-Euronext dar. Es gibt immer noch eine Fülle von Märkten, auf die sich US-Investoren nur zögerlich vorwagen - und das ist ein Faktor, mit Hilfe dessen neue Emissionen an Land gezogen werden können. Die Erstemission der brasilianischen Tochter von Santander über sieben Mrd. Dollar soll in New York über die Bühne gehen. Und jüngst hat sich eine ganze Schar chinesischer Unternehmen der Amex, dem Wachstumsmarkt der NYSE, angeschlossen. Da das Interesse an Unternehmen aus den aufstrebenden Märkten nach wie vor stark ist, kann sich die NYSE auf eine Schlange von Firmen einstellen, die vor ihrer Tür Aufstellung nehmen wird.

Kommentare zu " Versicherungen: Das Ende der transatlantischen Allianz"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%