Versicherungen
Der Käufer hat das Sagen

Durch ihre starke Bilanz ist Metlife in einer besseren Ausgangslage als andere Versicherungen, um die niedrigen Bewertungen ihrer Konkurrenten auszunutzen. Der Verkauf des internationalen Lebensversicherungsgeschäfts von AIG sieht wie die ideale Gelegenheit für Metlife aus - er erfolgt aus einer Notlage heraus und der Bereich passt gut.
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Die Finanzkrise hat den Versicherungsgesellschaften schwer zugesetzt. Daher ist für einen soliden Branchenvertreter wie Metlife jetzt ein guter Zeitpunkt gekommen, um auf Einkaufstour zu gehen. Durch ihre starke Bilanz ist die US-Versicherung in einer besseren Ausgangslage als andere Konkurrenten, um sich die niedrigen Bewertungen, die sich durch den gesamten Sektor ziehen, zu Nutze zu machen. AIG will ihr internationales Lebensversicherungsgeschäft Alico verkaufen und Alico sieht wie die ideale Übernahmekandidatin aus: Der Verkauf ist erzwungen und der Bereich passt gut zu Metlife.

Am Ende des ersten Quartals verfügte Metlife über liquide Mittel und kurzfristige Investitionen über 38 Mrd. Dollar. Und Cash fließt der Firma weiterhin zu, da risikoscheue Kunden Unterschlupf bei den Versicherungen mit den besten Bilanzen suchen. Im Berichtsquartal verkaufte Metlife private Rentenversicherungen über 7,4 Mrd. Dollar, das ist mehr als doppelt so viel wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Natürlich ist der Großteil dieses Geldberges tabu - das Geld wird zurückgelegt, um Forderungen zu begleichen und für den Fall, dass die Märkte instabil bleiben. Aber Metlife geht davon aus, dass überschüssiges Kapital über etwa fünf Mrd. Dollar vorhanden ist, ein weit größerer Betrag als bei den meisten Konkurrenten. Und es dürfte dem Versicherer nicht schwer fallen, sich weitere Mittel zu beschaffen. Seit Mitte Mai haben die Versicherungsgesellschaften Kapital über etwa 15 Mrd. Dollar gesammelt, berichtet die Research-Abteilung von JPMorgan.

Metlife hat die Qual der Wahl. Vor der Krise wurden die Versicherer mit etwa dem 1,5fachen des Buchwerts gehandelt. Jetzt besteht zum Buchwert kaum noch ein Unterschied. Es erscheint unwahrscheinlich, dass sich diese Kennzahl vollständig erholen wird - die Finanzunternehmen müssen jetzt mehr Kapital in ihren Büchern halten. Und es wird vermutlich zu weiteren Rückschlägen bei Vermögenswerten wie Gewerbeimmobilienbeteiligungen kommen. Trotzdem erscheint eine Bewertung dieser Unternehmen zu Wiederbeschaffungskosten langfristig als zu konservativ.

Warum ausgerechnet Alico? Metlife will ihr internationals Geschäft ausbauen. Derzeit entfallen darauf etwa 15 Prozent der Erträge des Unternehmens mit stetig steigender Tendenz. Die Margen im Ausland sind höher und der Bereich Lebensversicherung wächst, anders als im ausgereiften US-Markt, in Ländern wie Indien und China schnell.

Der Stolperstein in den vorhergehenden Verhandlungen war immer der Preis. Alico verbuchte 2008 vor Kapitalverlusten einen Gewinn von 1,3 Mrd. Dollar. AIG hatte angeblich 20 Mrd. Dollar für das Geschäft verlangt. Man kann verstehen, warum Metlife bei diesem Preis die Flucht ergriff. Versieht man die Gewinne mit einem Vielfachen von zehn - wobei man dann davon ausgehen muss, dass sie sich stabil entwickeln, - und fügt man einen Kontrollaufschlag von 30 Prozent hinzu, dann erhält man etwa 17 Mrd. Dollar.

Metlife sollte in der Lage sein, einen niedrigeren Preis auszuhandeln. Das Geschäft ihres Übernahmeziels ist eindeutig in Mitleidenschaft gezogen worden. Im vergangenen Jahr hatte sich in Asien Angst vor AIG breit gemacht, was dem Ruf des Unternehmens äußerst abträglich war. Und der Versicherungsgigant ist intensivem Verkaufsdruck ausgesetzt, während sich Metlife jederzeit wieder zurückziehen könnte. Metlife befindet sich in einer guten Ausganglage, sich diese Sammlung von Vermögenswerten einzuverleiben, wenn der Preis stimmt.

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