Versicherungsgesellschaften
Harte Zeiten für Versicherer

Die Aktienmärkte sind gefallen und das Risiko von Ausfällen bei Unternehmensanleihen steigt. Die Investoren sind nervös über die Kapitallage der europäischen Versicherungsgesellschaften. Aber die meisten sehen stark genug aus, um eine Rezession überstehen zu können.

Den europäischen Versicherungsgesellschaften stehen harte Zeiten ins Haus. Die Rückgänge auf den Aktienmärkten und das steigende Risiko von Ausfällen bei Unternehmensanleihen nagen an ihren Kapitalpuffern. In der vergangenen Woche wurden die Marktteilnehmer von Angst übermannt, so dass sie einige Versicherungstitel um rund ein Drittel nach unten stuften - auch wenn diese sich in dieser Woche wieder ein wenig erholten. Wenn sich die Märkte weiter abschwächen und die Rezession sich hinzieht, dann müssen die Versicherungen wohl ihre Finanzen aufbessern.

Die meisten Versicherungsgesellschaften haben in den vergangenen Jahren umfangreiche Kapitalpuffer aufgebaut - teils weil sich die Gewinne gut entwickelt haben und teils weil die Bestimmungen der Aufsichtsbehörden vor ungefähr sechs Jahren aufgrund von Solvenzbedenken verschärft worden waren.

Maßgeblich ist die Liquiditätskennzahl - das Verhältnis von Nettovermögenswerten zu gebuchten Nettoprämien. Sie zeigt, über wie viel Kapital eine Gesellschaft verfügt, um über ein vernünftigerweise angenommenes Niveau von Ansprüchen hinaus ihren Forderungen nachzukommen. Wenn das Verhältnis unter dieses Niveau absinkt, muss die Gesellschaft vielleicht zusätzliches Kapital einsammeln.

Die meisten Liquiditätskennzahlen werden zum Jahresende über dem Level liegen, zu dem vielleicht Extra-Kapital benötigt werden würde, schätzt die Deutsche Bank. Zum Beispiel wird AXA bei 142 Prozent gesehen verglichen mit einem Gefahrenpunkt von 130 Prozent, Legal & General bei 161 Prozent gegenüber gefährlichen150 Prozent und Allianz bei 141 Prozent gegenüber 120 Prozent.

Für die Vermögenswerte der Versicherungen sind zwei Hauptgefahrenquellen auszumachen: Aktien und Unternehmensanleihen. Als Faustregel gilt: Eine anhaltende Baisse unter 4 000 Punkten beim FTSE 100-Index lässt die Aktienportfolios der Versicherungen abschmelzen - am Dienstag stand der Index im Nachmittagshandel bei 4.272 Punkten. Ebenfalls am Dienstag hatte Prudential mitgeteilt, ihr Aktienportfolio habe sich im vergangenen Quartal um 100 Mill. Pfund Sterling verringert.

Der Wert der Aktienportfolios ist besonders wichtig für einige Sparprodukte wie etwa die Lebensversicherungen mit Gewinnbeteiligung, die britische Versicherungsgruppen anbieten. An die Inhaber wird ein Kapitalbonus ausgezahlt, und zwar idealer Weise jedes Jahr, und abhängig von der Entwicklung des Fonds.

Unternehmensanleihen werden gewöhnlich bis zur Fälligkeit gehalten. Bei erstklassigen Unternehmensbonds könnten die britischen Versicherer 2009 einer Ausfallquote von zwei Prozent und von 1,5 Prozent im Jahr 2010 die Stirn bieten - beide Zahlen sind hoch verglichen mit früheren Rezessionen -, bevor eventuell neues Kapital gebraucht wird, schätzt RBS.

Die meisten Versicherer haben jedoch ihre Aktienportfolios abgesichert und arbeiten - anders als Banken - nicht mit einem hohen Fremdkapitalanteil und müssen die Fälligkeiten ihrer Aktiva und Passiva aufeinander abstimmen. Sie können sich zudem dem Rückgang der Preise der Vermögenswerte anpassen, indem sie den Inhabern von Sparprodukten, wie etwa von Lebensversicherungen mit Gewinnbeteiligung, weniger auszahlen.

Und wenn nötig, können die Aufsichtsbehörden immer noch die Verpflichtung für die Versicherungskonzerne aufheben, ihre Vermögenswerte zu Marktkursen zu bewerten. Alles in allem, sieht es so aus, als könnten die Versicherer einem möglichen Zusammenspiel von rückläufigen Aktienkursen und steigenden Anleihenausfällen standhalten.

Aber wenn sie tatsächlich Kapital aufnehmen müssen, dann dürfte dies eher über private Quellen, denn mit Hilfe des Staats geschehen. Die Branchenaufsicht sollte die Versicherungskonzerne dazu zwingen, ihr Kapital zu erhöhen, bevor ihre Lage kritisch wird - so wie es in Großbritannien 2002 und 2003 geschehen war.

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