Versorger
RWE: Kraftprobe in den Niederlanden

RWE will die niederländische Energiegesellschaft Essent kaufen, nachdem im vergangenen Jahr ein rein niederländischer Deal an den Kartellbehörden gescheitert war. Der Versorger macht sich damit einen Markt zu Nutze, der bei der Liberalisierung weiter fortgeschritten ist als der deutsche. Der Haken daran: Genau deswegen könnte der Abschluss blockiert werden.

RWE ist also doch noch in der Lage, einen Deal durchzuziehen. Der Versorger war Ende des vergangenen Jahres bei seinem Versuch gescheitert, British Energy zu kaufen, die stattdessen an die französische EDF gegangen ist. Außerdem hat sich die Firma aus der Vereinbarung, den russischen Stromerzeuger TGK-2 zu erwerben, zurückgezogen. Dieses Mal scheint die Gruppe bei ihrer Offerte über 9,3 Mrd. Euro für Essent, eines der größten Energieunternehmen der Niederlande, auf festerem Boden zu stehen. Aber auch dieser geplanten Transaktion haftet ein Element der Unsicherheit an.

Essent steht zum Verkauf, seitdem die niederländischen Behörden im vergangenen Jahr eine rein niederländische Energiefusion zwischen der Firma und ihrer Konkurrentin Nuon abgelehnt hatten, da sie Bedenken hatten, es könnte ein marktbeherrschender Spieler entstehen. Essent ist attraktiv und könnte RWE in einem Nachbarland zu mehr als fünf Millionen neuen Kunden und zu einem Anteil an der einzigen Atomkraftanlage der Niederlande verhelfen. Es ist also kein Wunder, dass sich angeblich auch die schwedische Vattenfall und die italienische Eni für Essent interessiert haben - oder dass RWE mit mehr als dem Zehnfachen des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen des vergangenen Jahres drauflegen würde, während sie selbst zu weniger als dem Fünffachen gehandelt wird.

Ein mögliches Hindernis ist allerdings die politische Opposition dagegen, dass ein Käufer aus dem Ausland sich der Vorteile des offenen niederländischen Energiemarkts bedient. Das Land steht an vorderster Front der europäischen Liberalisierungsanstrengungen. Im Gegensatz zu größeren und protektionistischeren Ländern wie Frankreich und Deutschland haben die Niederlande ein Gesetz umgesetzt, das die Versorger dazu zwingt, ihre Energieerzeugungsbereiche von ihren Verteilernetzen zu trennen. Daher wird RWE nicht auch noch den Distributionszweig der Essent übernehmen, der seit dem 1. Januar unabhängig arbeitet.

Die zuständigen kommunalen und Provinzregierungen, denen Essent gehört, müssen dem Vorhaben zustimmen. Aber der größte Haken an der Sache besteht darin, dass die niederländische Regierung den Zusammenschluss aus Gründen der Gegenseitigkeit ablehnen kann: Unternehmen aus Ländern wie Frankreich und Deutschland, die sich der Entflechtung widersetzt haben, können per Gesetz davon abgehalten werden, auf offeneren Märkten zu jagen.

Angesichts ihrer liberalen Tradition ist eher nicht damit zu rechnen, dass die Niederländer von ihrem Veto-Recht Gebrauch machen. Man kann ihnen wohl auch kaum hartnäckigen Protektionismus zur Last legen. Vor zwei Jahren haben sie nicht einmal mit der Wimper gezuckt, als ABN Amro, die größte Bank des Landes, unter dreien ihrer europäischen Konkurrentinnen aufgeteilt wurde. Aber die schiere Möglichkeit einer Blockade sollte Nachzüglern wie Frankreich und Deutschland als Erinnerung daran dienen, dass sie mit ihrer Liberalisierung schneller voranschreiten sollten.

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