Versteigerung von Emissionsrechten
Die Umweltverschmutzung verkaufen

Der Handel von Emissionsrechten war ein guter erster Schritt im Kampf gegen die globale Erwärmung. Aber die kostenlose Ausgabe von Verschmutzungsrechten bedeutet eine ungerechtfertigte Subventionierung der Industrie mit 44 Milliarden Euro. Es gibt einen deutlich besseren Weg.

CO2-Auktionen sind der nächste logische Schritt im Kampf der EU gegen die globale Erwärmung. Die europäische Wirtschaft befürchtet Wettbewerbsnachteile. Aber durch ein vernünftiges Auktionskonzept kann Europa seinem Führungsanspruch bei der Bekämpfung des weltweiten Klimawandels erneut Nachdruck verleihen. Werden die Einnahmen in Form von sinkenden Steuern weitergegeben, kann die Wirtschaft insgesamt profitieren.

Der europäische Emissionsmarkt, der im Jahr 2005 ins Leben gerufen wurde, hatte keinen leichten Start. Die Regierungen verteilten die Emissionsrechte zu großzügig – und kostenlos. Der Preis der Rechte sank bis auf zehn Eurocent. Erst als die Kommission die Regierungen zwang, das zulässige Emissionsvolumen um zehn Prozent zu kürzen, zogen die Preise für CO2-Emissionen spürbar an. Sie werden heute zu rund 23 Euro gehandelt. Der Handel nahm sprunghaft zu und Europa repräsentiert inzwischen 70 Prozent des weltweiten Kohlendioxidmarktes.

Das System trägt dazu bei, die Umweltverschmutzung zu verringern. Die Energieversorger stiegen von schmutziger Kohle auf sauberes Gas um und reduzierten ihre CO2-Emissionen nach Schätzungen der Fortis-Bank in den vergangenen fünf Jahren um 150 Millionen Tonnen.

Aber die Verschmutzer erhalten kostenlose Emissionsrechte. Gemessen an den heutigen Preisen entsprechen die zwei Milliarden Rechte, die in den nächsten fünf Jahren ausgegeben werden, einer Subvention in Höhe von 44 Milliarden Euro. Das ist nicht gerechtfertigt. Die Energiepreise beinhalten auch die Emissionskosten, dadurch erzielen allein die britischen Versorger in den kommenden fünf Jahren Zufallsgewinne in Höhe von 9 Milliarden Pfund. Kein Wunder also, dass die Unternehmen das Geld zugunsten der Energiebehörde wieder ausspucken sollen. Andere europäische Regierungen denken über ähnliche Schritte nach. Mit Blick auf die Zukunft erwiese sich ein System als geeigneter, bei dem die Rechte an den Höchstbietenden versteigert werden. Dann könnten Verschmutzer keine Zufallsgewinne mehr generieren.

Ein paar Einschränkungen sind eventuell notwendig. Gebote sollten zunächst nur Industrien wie Versorger, Raffinerien und eventuell Zementwerke abgeben dürfen, die nur unter geringem internationalen Wettbewerbsdruck stehen. Bei frei gehandelten Rohstoffen, wie zum Beispiel bei Stahl, werden die CO2-Emissionskosten nicht in den Preisen reflektiert.

Ein Teil der Einnahmen sollte an Bedürftige fließen, um die steigenden Energiekosten auszugleichen. Der größere Anteil aber sollte zu Steuerkürzungen für jedermann führen. Wer weiß, wenn Europa sich mit einem solchen System durchsetzt, könnte vielleicht auch der nächste amerikanische Präsident Interesse zeigen.

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