Vietnam
Der gebeutelte Dong

Wie China wuchs auch Vietnam während des weltweiten Konjunktureinbruchs weiter, wobei die Produktion durch Sonderanreize zusätzlich angeheizt wurde. Aber das Land litt unter Inflation, Kapitalflucht und Zahlungsbilanzdefiziten. Kein Wunder also, dass Vietnam seine Währung schließlich abwerten musste.
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Die Abwertung der vietnamesischen Währung Dong um 5 Prozent wird nicht die letzte sein. Wie China konnte auch Vietnam während des weltweiten Konjunktureinbruchs weiter kräftig wachsen, wobei die Produktion durch fiskalpolitische Anreize noch zusätzlich angeheizt wurde. Aber in Vietnam gab es auch Inflation und das Land musste mit Kapitalflucht und einer negativen Zahlungsbilanz fertig werden. So ist es nicht überraschend, dass sich Vietnam mit ähnlichen Problemen konfrontiert sah, die auch eine Reihe osteuropäischer Länder plagten.

Vietnams Wirtschaft folgte in den vergangenen Jahren einer ähnlichen Entwicklungskurve wie China, die gekennzeichnet war durch hohe Wachstumsraten, umfangreiche Auslandsinvestitionen und billige hochqualifizierte Arbeitskräfte. Nicht mit dem heutigen China vergleichbar, aber ähnlich wie China in den 1990er Jahren war die vietnamesische Zahlungsbilanz nur mäßig stark, bevor sie zwischen 2007 und 2008 durch massive Kapitalflucht tief in die roten Zahlen rutschte. Als dann der Abschwung kam und die Exporte empfindlich zurückgingen, verharrte das Defizit 2009 auf dem hohen Niveau von 10 Prozent des BIP.

In dieser Situation die Wirtschaft wie in China durch höhere Staatsausgaben zu stimulieren, war falsch. Vietnam hatte nicht die wirtschaftliche Kraft, ein solches Programm durchzuziehen. In den ersten 10 Monaten des Jahres 2009 stiegen die Kreditvergaben der heimischen Wirtschaft um 33 Prozent, sodass die Inflation, die bereits von 26,7 Prozent im Vorjahr und dank der rückläufigen Rohstoffpreise wieder auf den niedrigen einstelligen Bereich gesunken war, erneut Nahrung erhielt.

Die Währungsreserven sanken von über 20 Milliarden Dollar auf heute geschätzte 16,5 Milliarden. Wie einige osteuropäische Länder, die durch umfangreiche Auslandsinvestitionen schließlich vor gravierenden Zahlungsbilanzproblemen standen, blieb auch Vietnam schließlich nichts anderes übrig, als abzuwerten oder binnenwirtschaftlich schmerzhaft auf die Bremse zu treten oder beides miteinander zu kombinieren.

Vietnam wird kurzfristig um einschneidende Ausgabenkürzungen nicht herumkommen. Die Zinsen, die bereits von 7 auf 8 Prozent erhöht wurden, müssen weiter steigen und das Kreditwachstum muss gedrosselt werden. Genauso wichtig ist eine Reduzierung des Haushaltsdefizits - es versperrt privaten Unternehmen den Zugang zu Kapital, das in Emerging Markets ohnehin schon knapp ist. Impulse kommen dagegen von den Exporten, die im Zuge der weltweiten Erholung wieder zunehmen werden.

Auch der Wettbewerbsvorteil gegenüber China durch billigere qualifizierte Arbeitskräfte bleibt Vietnam erhalten. Alles in allem dürfte Vietnams Schwächephase nur von kurzer Dauer sein, die Wachstumsaussichten des Landes bleiben hervorragend.

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