Virgin Media
Virgin schafft Kehrtwende

Vor zwei Jahren galt Virgin Media noch als angeschlagener Übernahmekandidat. Doch die stark ausgefallenen Quartalsergebnisse des britischen Kabelbetreibers untermauern seinen anhaltenden Wandel. Das Risiko für die Investoren besteht nun darin, dass es Virgin versäumt, schnell zu handeln, um das Breitbandnetz zu schützen, das das Kernstück für seinen angeblichen Wettbewerbsvorsprung bildet.
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Virgin Media ist wieder in Form - aber wie lange wird das anhalten? Vor gerade einmal zwei Jahren stand der britische Kabelbetreiber noch kurz davor, von Beteiligungsgesellschaften übernommen zu werden. Seine Betriebsergebnisse sorgten für fortwährenden Verdruss. Doch die starken Drittquartalsergebnisse untermauern den tief greifenden Wandel, den das Unternehmen unter seinem neuen Management-Team, angeführt von Chief Executive Neil Berkett, durchlaufen hat. Virgin stellt nun eine Konkurrenz für den Satellitensender BSkyB und das ehemalige Festnetzmonopol BT dar. Doch diese Position aufrecht zu erhalten, wird nicht leicht und auch nicht billig werden.

Berkett hat sich mit aller Macht dem schwierigen Erbe gewidmet, das er bei der ehemaligen NTL-Telewest angetreten hatte. Zwei große Problemfelder galt es zu beackern: die übermäßige Verschuldung und den Ruf, einen haarsträubenden Kundendienst abzuliefern.

Mit Verbindlichkeiten von 5,9 Mrd. Pfund Sterling oder dem rund 4,3fachen des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen weist der Kabelbetreiber immer noch einen höheren Verschuldungsgrad auf als seine Branchenkollegen. Aber Virgin bringt Cash in Hülle und Fülle hervor. Und die Firma hat die Fälligkeit ihrer Kredite von 2010 auf 2012 verlängert und gleichzeitig Anleihen über 970 Mill. Pfund emittiert, um die bestehenden Fazilitäten zu refinanzieren. Darüber hinaus fand sich Virgin bei einer jüngsten globalen Umfrage durch Bain, die Verbesserungen im Kundenservice bewertete, unter den zehn Prozent der Unternehmen an der Spitze wieder.

Die Aktien des Kabelbetreibers haben sich in den vergangenen zwölf Monaten im Wert mehr als verdoppelt. Doch jetzt kommt die Sorge auf, dass die Kehrtwende zum Erliegen kommen könnte, wenn es Virgin versäumt, sein superschnelles Breitbandnetz - als Wettbewerbsvorteil mit dem Exklusivangebot an Inhalten von Sky vergleichbar - gegen wachsende Bedrohungen zu verteidigen.

Das Glasfasernetz von Virgin deckt mehr als 50 Prozent der britischen Haushalte ab und bietet konkurrenzlose Geschwindigkeiten von bis zu 50 MB und einen technisch überlegenen Dienst für Fernsehbeiträge auf Abruf. Die derzeitige Verbrauchernachfrage nach diesen Diensten mag zwar diffus sein, doch die meisten Branchenvertreter sind der Meinung, dass das Interesse in Zukunft groß sein wird.

Aber BT hat eigene Pläne, bis 2012 mit einem superschnellen Breitbandnetz in vergleichbarem Ausmaß auf den Markt zu kommen. Eine mögliche Präventivmaßnahme von Virgin könnte darin bestehen, sein Netz auf Großkundenbasis den Konkurrenten zu öffnen, bevor das Vorhaben von BT in die Tat umgesetzt wurde.

Damit könnte Virgin seine Akzeptanz beschleunigen. Dabei würden zwar umfangreiche Technologie-Kosten anfallen - möglicherweise mehr als 500 Mill. Pfund, sagte eine mit der Lage vertraute Person. Doch das könnte der Preis sein, den Virgin zahlen muss, um seinen Schwung - und die richtige Richtung - beizubehalten.

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