Virgin Mobile
Der Pullover juckt

Richard Branson, der umtriebige Unternehmer mit dem Spitzbart, will sein US-Mobilfunkunternehmen Virgin Mobile an die Börse bringen. Aber bevor die Investoren sich nun darauf stürzen, sollten sie bedenken, welch begrenzte Rechte ihnen eingeräumt werden und in welch beengter Lage das Unternehmen ist.

Richard Branson, der umtriebige Unternehmer und Milliardär mit dem Spitzbart, hat mit seinem britischen Mobilfunkservice einen Coup gelandet. Er hat das Unternehmen 2004 in London auf den Markt gebracht und es fertig gebracht, die Firma zwei Jahre später für fast das Doppelte an ein Kabelunternehmen zu verkaufen. Dasselbe versucht er nun mit dem Börsengang von Virgin Mobile (VM), sein US-Joint Venture mit Sprint, wodurch die Gruppe mit rund einer Mrd. Dollar bewertet werden würde. Aber bevor die Investoren sich nun darauf stürzen, sollten sie bedenken, welch begrenzte Rechte ihnen eingeräumt werden, und in welch beengter Lage das Unternehmen ist.

Auf den ersten Blick mag VM wie ein Gewinner aussehen. Seit 2001 hat die Firma rund fünf Millionen Kunden gewonnen. Da es sich um eine virtuelle Telefongesellschaft handelt - sie mietet die Kapazitäten von Sprint an - muss sie nicht Milliarden in den Aufbau eines Netzes stecken. VM hat sogar respektable 29 Mill. Dollar oder 54 Cent je Aktie im typischerweise schleppend verlaufenden ersten Halbjahr verdient.

Was gibt es also auszusetzen? Nun, Minderheitsaktionäre werden nur begrenzte Rechte haben. Sprint und die Branson gehörende Virgin Group haben einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf den Vorstand. So lange beide jeweils einen Anteil von zehn Prozent an VM behalten, so lange kann jede Partei strategische Pläne wie Fusionen oder Anstrengungen, Kapital einzusammeln, blockieren. Zudem werden die Vorteile aus den aufgelaufenen Steuerverlusten über mehr als 300 Mill. Dollar eher an Sprint und Virgin Group fließen als an die neuen Investoren.

Die hässlicheren Fehler dürften allerdings im zugrunde liegenden Geschäft zu finden sein. Der VM-Kundenstamm kann mit zwei Worten beschrieben werden: jung und arm. Weil andere Mobilfunkanbieter diesen Markt weitgehend ignoriert haben, konnte VM hier vorstoßen. Das Geschäft scheint nun seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Fast fünf Prozent der Kunden insgesamt gehen jeden Monat, der Kundenzuwachs hat sich also abgeschwächt. Die Kosten der Neukundengewinnung haben sich seit 2004 verdreifacht. Sie betragen nun mehr als 500 Dollar pro Kunde, doch der durchschnittliche Nutzer wird VM weniger als 500 Dollar zahlen, bevor er den Anbieter wieder verlässt.

VM hat Möglichkeiten, auch wenn das Wachstum verpufft. Die Gruppe kann versuchen, die Kunden in Verträge einzubinden oder mehr Geld aus älter werdenden Nutzern mit dickeren Geldbörsen herauszupressen. Keine dieser Strategien kommt mit einer Erfolgsgarantie. Aber es besteht ja immer noch die Aussicht auf einen Verkauf an einen großen Betreiber, nicht wahr? Da allerdings Sprint bei jedem Verkauf ihr Veto einlegen kann, ist es nur schwer vorstellbar, dass jemals ein heißer Bieterkampf um VM entbrennt.

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