Virgin/Northern Rock
Die Jungfrau des Nordens

Um Northern Rock zu retten, müsste der Unternehmer Richard Branson mehr tun, als dem in Schieflage geratenen Hypothekenfinanzierer gewieft einen neuen Markennamen zu verpassen. Was Northern Rock wirklich braucht, ist Liquidität. Das wird schwerer zu lösen sein.

Sir Richard Branson hat einen ausgeprägten Risiko-Hunger. Gezeigt hat er das erst wieder Anfang der Woche, als er sich am Bungee-Seil von einem Hotelturm in Las Vegas aus in die Tiefe gestürzt hat. Aber ist der Plan des waghalsigen Unternehmers, Northern Rock retten zu wollen, nicht vielleicht ein bisschen zu draufgängerisch? Es ist klar, warum er Interesse daran hat. Aber es ist mehr nötig, als dem in Schieflage geratenen Hypothekenfinanzierer gewieft einen neuen Markennamen zu verpassen, um ihn aus dem Schlamassel zu ziehen.

Sicher kann Branson einige der Tricks wiederholen, die er bei NTL angewendet hat. Im vergangenen Jahr hatte er die britische Kabelgesellschaft mit dem Telekomgeschäft seiner Virgin Mobile fusioniert und die neue Gesellschaft auf den Namen seiner Marke Virgin getauft. Den Namen Northern Rock mit dem Virgin-Zeichen zu überkleben, könnte die Hypothekenbank dabei unterstützen, Einleger zu behalten und damit eine Lücke bei der Finanzierung zu niedrigen Zinssätzen zu stopfen. Das wäre eine große Hilfe, die Bank wieder auf die Füße zu stellen. Und schon wieder verfügt Branson mit Virgin Money über ein passendes Geschäft, das er gleich zur Party mitbringen kann.

Aber das wird ihn nur ein Stück weit voranbringen. Mit Virgin Money kann er nur einen kleinen Chip auf den Verhandlungstisch werfen. Bei einem verwalteten Vermögen von 2,6 Mrd. Pfund Sterling, ist der Finanzdienstleister vielleicht 50 Mill. Pfund wert. Und was Northern Rock wirklich braucht, ist Liquidität. Das wird schwerer zu lösen sein.

Sicher, Sir Richard kämmt gerade die USA und den Nahen Osten nach Geld ab. Und zweifelsohne sind das auch genau die richtigen Adressen. Die Investoren aus dem Nahen Osten scheinen neuerdings Geschmack an britischen Finanzwerten zu finden. Und Northern Rock hat auch schon das Interesse einer Reihe von amerikanischen Spielern auf sich gezogen, darunter die Beteiligungsgesellschaften JC Flowers und Cerberus, die über eine Offerte nachdenken, und Citigroup, die eine Finanzierungslinie über zehn Mrd. Pfund in Aussicht stellen will.

Aber genug Liquidität zu sammeln, um Northern Rock am Laufen zu halten, ist eine große Herausforderung. Die Bank hat sich bis jetzt Notkredite über 13 Mrd. Pfund von der Bank of England geholt - bis zu zwei Mrd. Pfund in der Woche. Nach Schätzungen einiger Beobachter wird ein Retter bis zu 30 Mrd. Pfund an garantierten billigen Krediten bereit haben müssen, um sicher zu stellen, dass Northern Rock solvent bleibt.

Außerdem wird vermutlich die schwache Entwicklung von Virgin Media einige potenzielle Investoren abschrecken. Die Aktien der Kabelgesellschaft sind um acht Prozent gefallen, seitdem Branson investiert hat. Europäische Telekom-Titel sind dagegen um 33 Prozent gestiegen. Aber selbst wenn er eine Niederlage erleidet, wird er das Schlachtfeld nicht mit leeren Händen verlassen. Indem er seine Marke Virgin profiliert, wird Branson gewinnen, selbst wenn er verliert.

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