Visa-IPO
Teurer Abschlag

Der Börsengang von Visa über 19 Mrd. Dollar wird mit einem Bewertungsabschlag gegenüber Mastercard erfolgen. Der Konkurrent ist seit dem IPO im Jahr 2006 an der Börse um fast das Fünffache gestiegen. Die Börsenpläne von Visa zeigen, wie robust das Kreditkartengeschäft ist. Allerdings könnte es in Zukunft Probleme geben.

Kreditkartenanbieter verleiten ihre Kunden zur Nutzung ihrer Karten, indem sie Werbegeschenke und Rabatte anbieten. Visa scheint diese Verkaufstrategie auch bei ihrer Erstemission (IPO) verinnerlicht zu haben. Mit 19 Mrd. Dollar für die Hälfte des Unternehmens wird die Gesellschaft mit einem bedeutenden Abschlag gegenüber dem Konkurrenten Mastercard bewertet – er entspricht rund 20 Prozent auf Basis eines historischen Kurs-Gewinnverhältnisses; die geplanten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von Visa werden dabei nicht berücksichtigt. Zwar zeigt sich das Geschäft mit dem Plastikgeld weniger anfällig für die Kreditkonditionen, dennoch dürften eine schwächere Konjunktur und die striktere Kreditvergabe durch die Banken vermutlich das Wachstum beider Kartenkonzerne hemmen.

Als Zwischenhändler machen Visa und Mastercard immer dann Geld, wenn jemand ihre Karten zückt. Sie vergeben keine Kredite und sind nicht verantwortlich, wenn ein Schuldner ausfällt. Deshalb werden sie von leistungsgestörten Krediten nicht in derselben Weise belastet wie die großen Banken. Und das ist wohl auch der Grund dafür, warum Visa überhaupt im gegenwärtigen Umfeld mit ihrem Börsengang weitermachen kann.

Aber die Banken, die die Karten ausgeben und Kredite gewähren, sind vorsichtiger geworden. Citigroup, der drittgrößte Kreditkartenemittent, hat jüngst die Kreditlinien für Schuldner in Kalifornien, Florida und anderen US-Bundesstaaten gesenkt. Dort hat die Subprime-Krise besonders hart zugeschlagen. Solche Schritte, zusammen mit der sich abschwächenden Konjunktur, dürften den Zugang der Verbraucher zu Kreditkartendarlehen beschneiden und damit natürlich auch ihre Ausgaben.

Sicher ist die US-Wirtschaft nicht alles – rund 30 Prozent des Geschäfts von Visa werden mit nicht-amerikanischen Emittenten abgewickelt. Auch der Einsatz von Kundenkarten ohne Überziehungsmöglichkeit, bei denen die Kreditsorgen entfallen, nimmt zu. Dennoch sollten die Anleger, die die Visa-Aktien zeichnen, nicht mit demselben Zuwachs rechnen wie bei Mastercard. Vor diesem Hintergrund ist der verlockende Abschlag bei der Bewertung von Visa sinnvoll.

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