Visa
Ran an den Speck!

Der Mega-Börsengang des Kreditkartengiganten Visa erfolgte zu einem Emissionspreis oberhalb der erwarteten Kursspanne und stieß auf lebhafte Nachfrage. Wer aber hofft, dass der größte US-Börsengang aller Zeiten den brachliegenden Markt für Neuemissionen befreit, könnte enttäuscht werden.

Visas 18-Milliarden-Dollar-Mega-Emission ist ein einsames optimistisches Zeichen am erstarrten US-Neuemissionsmarkt. Der Börsengang erfolgte zu einem Kurs oberhalb der anvisierten Zielspanne und gleich nach Handelsbeginn jagten die Kurse um 35 Prozent nach oben. Nach der ersten Euphorie ließ der Druck zwar etwas nach, aber wer hätte kein Verständnis für die Hoffnung der Emissionsbanken, dass der Börsengang des Kreditkartenunternehmens einen Wendepunkt am IPO-Markt markiert. Sie werden aber wohl enttäuscht werden.

Visa ist ein untypischer Debütant. Es ist ein zuverlässiges Unternehmen und ein Marktführer. Zwar kann die Zurückhaltung der Konsumenten Visas Wachstum bremsen, aber Visa verkauft keine Kredite, sondern wickelt sie nur im Auftrag von Banken ab. Das Risiko ist also begrenzt. Zudem profitiert Visa auch, wenn Verbraucher zunehmend mit Plastik anstelle von Bargeld bezahlen.

Nach dem anfänglichen Kurssprung wurde Visa, gemessen am gleitenden Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), mit einer kleinen Prämie auf das KGV des kleineren Konkurrenten MasterCard gehandelt. Bei diesem Vergleich sind die geplanten Rückstellungen bereits berücksichtigt, die Visa bilden will, um auf eventuelle Gerichtsverfahren vorbereitet zu sein. Solche Verfahren könnten bevorstehen im Zusammenhang mit den Anschuldigungen von American Express und Discover, Visa verhindere den Zugang anderer Unternehmen zum Debitkarten-Markt. Als Marktführer und mit ausgestandenen Rechtsproblemen könnte Visa auch in Zukunft mit Prämie gehandelt werden.

Nach Angaben von Dealogic lag das Neuemissionsvolumen am US-Markt vor dem Visa -Börsengang in diesem Jahr lediglich bei 4,5 Milliarden Dollar und damit um 56 Prozent unter dem Niveau vom gleichen Vorjahreszeitraum. Ohne sogenannte Blank-Check-IPOs (Emissionen von Vorgesellschaften ohne konkretisierten Geschäftszweck), fanden nur 10 Unternehmen mit einem Emissionsvolumen von einer mageren Milliarde Dollar den Weg an die Börse. Das ist das schlechteste Ergebnis seit dem ersten Quartal 2003.

Das bedeutet, die Investoren sitzen auf einem Berg von Liquidität. Für sie scheint der lang erwartete Visa -Börsengang im gegenwärtigen Markt die beste Chance auf einen guten Abschluss. Aber alles in allem sind die Kursleiden, die durch die Risikoaversion der Anleger und die schwachen und volatilen Märkte verursacht werden, noch nicht ausgestanden. Darum bleibt auch die Neuemissionspipeline weiter schwach. Visas glorreiches Debüt könnte schon bald wie ein Moment der Ruhe im Auge des Sturms erscheinen.

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