Vodafone/Verizon
Und sie bewegen sich doch! Vielleicht.

Ein Streit um die Besitzverhältnisse zwischen Vodafone und Verizon Communications belastet das Gemeinschaftsunternehmen der beiden Telekomanbieter auf dem US-Mobilfunksektor. Aber Verizon muss die eigene Dividende bedienen und einen Nachfolger für den 62jährigen Unternehmenschef Ivan Seidenberg finden. Das könnte endlich Bewegung in die verfahrene Lage bringen.
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Es zeichnet sich vielleicht doch eine Lösung für Verizon Wireless ab. Lange konnten sich die beiden Eigentümer des größten US-Mobilfunkbetreibers - Verizon Communications, der zweitgrößte Festnetzanbieter der USA hält 55 Prozent und die britische Vodafone kontrolliert 45 Prozent an dem Joint Venture - nicht einigen. Doch ist die Hoffnung auf eine Entwirrung des Knotens jetzt um einiges realistischer geworden.

Vodafone nimmt Anstoß daran, dass Verizon Wireless, die eine Betriebsgewinnspanne von 29 Prozent vorweist und jährlich fast zwölf Mrd. Dollar an Cash Flow hervorbringt, seit 2005 keine Dividende gezahlt hat. Verizon Communications, die das Management beherrscht, hatte es vorgezogen, den Cash Flow von Verizon Wireless für andere Zwecke einzusetzen: So wurde im vergangenen Jahr für 28 Mrd. Dollar Alltel übernommen und die Verbindlichkeiten von 32 Mrd. Dollar, die zu einem Drittel gegenüber Verizon Communications bestehen, wurden stetig zurückgeführt.

Doch vielleicht folgen nun bald auch die Dividenden. Es gibt im Inland nur wenige Übernahmegelegenheiten für Verizon Wireless und um im Ausland expandieren zu können, muss die Firma erst die Billigung seitens Vodafone einholen. Verizon Communications ist vielleicht zudem darauf angewiesen, dass auch dann noch Cash aus dem Mobilunternehmen zu ihr fließt, wenn in zwei Jahren die Rückzahlung von zwischengesellschaftlichen Krediten abgeschlossen ist. Das rückläufige US-Festnetzgeschäft wird 2011 nur 1,3 Mrd. Dollar an freiem Cash Flow nach Investitionen abwerfen und damit weit weniger als die Dividendenausschüttung über fünf Mrd. Dollar im vergangenen Jahr, rechnet die Research-Gruppe Arete vor.

Die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen wäre allerdings nur der Anfang. Vodafone wäre dann immer noch ein machtloser Minderheitsaktionär. Und Verizon Communications wäre wieder an dem Punkt angelangt, es dem Partner zu verübeln, dass er die Dividenden schluckt, die das Unternehmen lieber für sich selbst reservieren würde. Und der US-Betreiber hätte wohl Schwierigkeiten dabei, die benötigten Mittel von geschätzt 70 Mrd. Dollar aufzubringen, um die Kontrolle über das Gemeinschaftsunternehmen ganz zu übernehmen.

Die Gelegenheit könnte günstig sein, sich die Idee einer vollständigen Fusion zwischen Vodafone und Verizon Communications noch einmal vorzunehmen. Durch die Zusammenlegung würde eine Firma mit einem Gesamtwert von 312 Mrd. Dollar ins Leben gerufen, wobei 54 Prozent auf Vodafone entfallen würden.

Ein Deal wäre nicht leicht zu bewerkstelligen. Die US-Branchenaufsicht könnte Einspruch erheben und es könnte neuer Streit über die Frage entstehen, wo die vergrößerte Gruppe notiert werden solle. Doch dieser Disput würde vermutlich nicht von den Spitzenmanagern herrühren. Der Chief Operating Officer von Verizon Communications hat das Unternehmen vor kurzem verlassen und Ivan Seidenberg, der Chairman und Chief Executive, ist 62 Jahre alt. Das lässt auf eine Lücke an der Spitze schließen. Und Vodafone-Chef Vittorio Colao ist erst 48.

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