Von oben nach unten
Dubai steckt im Refinanzierungs-Sandsturm fest

Der neu aufgelegte Unterstützungs-Fonds ist wesentlich für die Erholung des Emirats. Das Vehikel scheint aber weder einen Verwaltungsrat noch externe Finanzberater zu haben, denn es scheiterte an der Aufnahme von weiteren zehn Milliarden US-Dollar. Dubai muss stärker und schneller handeln, um seine einstmals gefeierten Visionen zu retten.
  • 0

Dubai steckt in einem Refinanzierungs-Sandsturm fest. Das Emirat hat zur Hälfte das Ziel erreicht, 20 Milliarden US-Dollar aufzunehmen, um belasteten Staatsunternehmen bei kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen zu helfen. Sie sind nur ein Teil des Schuldenbergs von 80 Milliarden US-Dollar, den Dubai im letzten Jahr enthüllte. Der verspätet eingerichtete Hilfsfonds Dubai Financial Support Fund (DFSF), der für die Erholung des Emirats wesentliche Einnahmen verwalten sollte, scheint aber weit davon entfernt, auf eigenen Füßen zu stehen.

Der DFSF war im letzten Monat vorgestellt worden, obwohl er offensichtlich weder einen Verwaltungsrat noch externe Finanzberater oder Geld zum Investieren hatte. Das Emirat beschaffte sich die ersten zehn der angestrebten 20 Milliarden US-Dollar im Februar von der Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate, faktisch also von staatlichen Stellen des in Bargeld schwimmenden Nachbarn Abu Dhabi. Als der DFSF aufgelegt wurde, war dieses Geld schon fast vollständig an nicht genannte Empfänger verteilt.

Was bleibt, sind Fragen. Etwa nach einer möglichen Quelle für die zweite Hälfte der DFSF-Mittel, und danach, ob diese Mittel ausreichen werden. Bislang hat Dubai wenig getan, um einheimische und ausländische Sorgen über die finanzielle Gesundheit des Emirats zu lindern. Weiterhin schießen Spekulationen ins Kraut, nach denen Dubai nicht in der Lage sein wird, die zweiten zehn Milliarden US-Dollar für den DFSF aus privaten Quellen wie geplant bis zum Jahresende zusammenzubringen. Das Emirat könnte daher erneut gezwungen sein, sich an Abu Dhabi zu wenden.

Es müsste mehr und schneller gehandelt werden, um die einstmals gefeierte Vision von Dubai als internationalem Finanzdrehkreuz zu retten. Herabstufungen von Unternehmen mit Staatsbezug durch Rating-Agenturen werden ausländische Investoren entmutigen. Nur wenige werden gewillt sein, Mittel in das Emirat zu leiten, ohne eine klare Vorstellung von der Ausfallwahrscheinlichkeit des Unternehmens Dubai zu haben. Die plötzliche und nicht erklärte Ablösung des respektierten Finanzdirektors von Dubai im Mai schürte die Zweifel weiter.

Transparenz ist ein Schlagwort in Dubai, doch es bleibt mehr Ziel als Realität. Als neue Einrichtung hätte der DFSF die Chance gehabt, in dieser Hinsicht neue Maßstäbe zu setzen, womit eine reinigende Heilung zumindest möglich erschienen wäre. Doch solange die Investoren nicht wissen, woher das Geld kommt und wohin es fließt, besteht kaum Anlass zum Optimismus.

Kommentare zu " Von oben nach unten: Dubai steckt im Refinanzierungs-Sandsturm fest"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%