VW-Aktie
Porsche erwischt Spekulanten auf dem falschen Fuß

Porsche hat mit Hilfe von Optionen seinen Anteil an dem größeren Konkurrenten VW auf 74 Prozent angehoben und damit praktisch mehr als verdoppelt. Die undurchsichtige Funktionsweise deutscher Unternehmenstransaktionen hat Leerverkäufer in arge Verlegenheit gebracht, aber den VW-Aktionären geholfen.

Nachdem die Manager von Porsche drei Jahre lang einen Traktor benutzt haben, um den größeren Konkurrenten VW langsam in den Verkaufsraum zu schleppen, sind sie plötzlich und unerwartet auf einen Sportwagen umgestiegen. Der Luxuswagenbauer teilte mit, dass er nicht nur seine Direktbeteiligung an VW auf fast 43 Prozent erhöht hat, sondern sich über barregulierte Optionen die Kontrolle über weitere 31 Prozent verschafft hat. Damit sind VW-Leerverkäufer ins Trudeln geraten.

Bei VW auf eine Baisse zu spekulieren, hatte noch vor wenigen Tagen ziemlich clever ausgesehen. Der Autoproduzent hatte die Kreditkrise mit einem Achselzucken abgeschüttelt und konnte als einzige westliche oder japanische Autofirma im vergangenen Jahr mit steigenden Aktienkursen aufwarten - weitgehend aufgrund des lang anhaltenden Interesses seitens Porsche. Die VW-Titel waren im Branchenvergleich stark überbewertet. Bei Kennzahlen wie dem Kurs-/Gewinnverhältnis oder dem Kurs-/Umsatzverhältnis wurden die Aktien zum Doppelten des Sektordurchschnitts gehandelt. Tatsächlich hatte das Unternehmen im Verlauf des Monats kurzzeitig eine höhere Marktkapitalisierung aufgewiesen als Toyota. Während sich die Leerverkäufer über VW hermachten, fielen die Titel schnell - in der vergangenen Woche fast um 50 Prozent.

Aber die undurchsichtige Funktionsweise deutscher Unternehmenstransaktionen, die eine sich derart langsam dahinschleppende Übernahme möglich macht, erhöht gleichzeitig auch das Risiko solcher Strategien - wie die Spekulanten herausgefunden haben. Nach der Mitteilung von Porsche mussten sie sich beeilen, um ihre Positionen abzudecken. Durch ihre Deckungskäufe haben sie einen überdimensionalen Short Squeeze geschaffen und den Aktienkurs dadurch verstärkt nach oben getrieben. Denn es gibt nur wenige VW-Aktien, die wirklich im Streubesitz sind. Porsche kontrolliert oder hat die Rechte auf fast drei Viertel der Aktien und das Land Niedersachsen hält weitere 20 Prozent.

Den regulären Aktionären von VW zumindest wurde eine weitere helfende Hand gereicht - tatsächlich eine Seltenheit in diesem Sektor. Vermutlich hätten die Baisse-Spekulanten das Ungemach ahnen können, denn Porsche ist bekannt dafür, ein Händchen für die Finanzmärkte zu haben. Im vergangenen Jahr hat der Autobauer aus Optionsgeschäften 3,6 Mrd. Euro eingefahren, dreimal mehr als er mit dem Autogeschäft verdient hat. Anscheinend hat es viele Spekulanten auf dem falschen Fuß erwischt. Ihre Short-Positionen abdecken zu müssen, sieht zwar schlimm, aber notwendig aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%