VW/Porsche
Die VW-Aktie, eine Lachnummer

VW hat sich am Dienstag, gemessen am Marktwert, kurzzeitig zum größten Unternehmen der Welt gemausert – und alles nur wegen der schleichenden Übernahme durch den Konkurrenten Porsche. Die unwirklichen Verzerrungen bei den VW-Aktien machen nicht nur die Unternehmensführungs- und die Übernahmegesetze in Deutschland zum Gegenstand des Gespötts.

Dass der Aktienkurs des Autobauers über wenig mehr als einen Tag hinweg um das Zehnfache steigt, ist lächerlich. Diese unwirklichen Verzerrungen haben herzlich wenig mit den Fundamentaldaten von VW zu tun - aber viel mit der schleichenden Übernahme durch den kleineren Konkurrenten Porsche.

Nach eigenen Angaben besitzt Porsche jetzt etwa 43 Prozent der Stammaktien der Volkswagen AG und Optionen auf weitere rund 32 Prozent. Diese Mitteilung hat Panik unter den Hedge Fonds ausgelöst, die die Aktien leer verkauft hatten. Während sie verzweifelt versuchten, Aktien zu kaufen, um ihre Positionen abzudecken, schoss der Kurs zeitweise bis auf 1000 Euro nach oben - das entspricht dem Zwanzigfachen des Kursziels, das die Analysten im Mittel der Prognosen anvisieren.

Der Engpass hat bei vielen Beteiligten für rote Gesichter gesorgt. Nehmen zunächst einmal die Baisse-Spekulanten. Sie mögen damit gerechnet haben, dass Porsche bei seiner Kaufkampagne pausieren würde, nachdem der Luxuswagenhersteller die Marke von 51 Prozent erreicht hatte, um erst einmal etwas Luft aus den Aktien entweichen zu lassen. Aber der begrenzte Streubesitz von VW machte daraus eine riskante Wette - ungefähr so, als wolle man Geldstücke vor einer Dampfwalze aufpicken.

Auch die deutsche Börsenaufsicht sieht unfähig aus. Porsche muss seine Aktivitäten auf dem Optionsmarkt nicht offen legen, selbst wenn jene Optionen die Stuttgarter in der Praxis in die Lage versetzen würden, die zugrunde liegenden Aktien an sich zu reißen. Damit bleiben die anderen Investoren weitgehend im Ungewissen.

Allerdings mag sich immer noch herausstellen, dass weniger an dieser Geschichte dran ist, als es zunächst den Anschein hat. Porsche hat nicht mitgeteilt, welche Optionen sie besitzt und ob diese der Firma wirklich einen Zugriff auf die zugrunde liegenden Aktien ermöglichen. Der Autobauer hatte erst vor sechs Monaten darauf hingewiesen, dass es so gut wie unmöglich wäre, eine 75prozentige Beteiligung an VW im Markt aufzubauen.

Aber Porsche wird sich vermutlich nicht gerade beeilen, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass Porsche enorme Mengen an Put-Optionen auf VW-Aktien in den Markt gegeben hat. Als die VW-Aktien während des Sommers nachgaben, wären die Papierverluste groß und Nachschussforderungen eine entfernte Möglichkeit gewesen. Ein höherer VW-Kurs würde vorübergehend beide Probleme neutralisieren. Ein Kommentar von Porsche war dazu nicht zu bekommen.

Und doch gibt es eine weitere Person, die die Chance hat, smart auszusehen: Christian Wulff, der Ministerpräsident von Niedersachsen. Sein Bundesland hält einen Aktienblock von 20 Prozent an VW, den er dazu eingesetzt hat, die verstohlene Übernahme durch Porsche abzuwehren. Dieser Aktienblock ist jetzt 59 Mrd. Euro wert - fast ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts des Landes. Da die Hedge Fonds am Haken hängen, könnte Wulff zum Verkäufer werden - und möglicherweise seinen Preis nennen.

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