VW übernimmt den Lenker bei Scania
Analyse: Piechs Vergnügungsfahrt

Der deutsche Autokonzern hat es schließlich geschafft, sich die Mehrheit am schwedischen LKW-Produzenten Scania zu sichern. Damit ist es VW gelungen, für rund 8 Milliarden Euro die Kontrolle über ein LKW-Imperium im Wert von 26 Milliarden Euro zu erhalten. Das clevere Manöver geht zu Lasten von Scanias Minderheitenaktionären – und vielleicht auch zu Lasten VWs.

Volkswagen hat den Lenker bei Scania, dem schwedischen LKW-Produzenten, übernommen. Und das geschickte Manöver trägt durch und durch die Handschrift des Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piech. Der deutsche Aufsichtsratsveteran hat es geschafft, mit Ausgaben in Höhe von rund 8 Milliarden Euro die Kontrollmajorität über ein LKW-Imperium zu erlangen, das am Markt mit 26 Milliarden Euro bewertet wird. Die Kleinaktionäre dürfen, wie üblich, vom Staub leben, den Piech hinterlässt.

VW hat von der schwedischen Familie Wallenberg und ihren verschiedenen Investmentvehikeln 31 Prozent der Stimmrechtsanteile an Scania übernommen. Zwar lag der Preis um 17 Prozent über dem Schlusskurs der Scania-Aktien vom vergangenen Freitag, aber VW besaß schon vorher 37 Prozent der Scania-Aktien. Damit ist VW nach den schwedischen Übernahmegesetzen nicht verpflichtet, den verbleibenden Aktionären ein Kaufangebot zu unterbreiten. Und der deutsche Konzern hat auch kein Interesse daran, Scania vom Markt zu nehmen. Das heißt, die Kleinaktionäre, die fast die Hälfte der Unternehmensaktien halten, gehen bei diesem Machtwechsel leer aus.

Den Aktionären von MAN, dem deutschen Scania-Konkurrenten, könnte ein ähnliches Schicksal drohen. VW besitzt nur 29,9 Prozent der MAN-Aktien. Das bedeutet aber nicht, dass andere Anteilsinhaber sicher sind. Überschreitet VW die 30-Prozent-Schwelle, steht es dem Unternehmen frei, seine Machtposition auszuweiten, ohne eine Prämie zahlen zu müssen. Alles was VW nach der deutschen Gesetzgebung tun muss, ist ein einmaliges Kaufangebot an die Aktionäre abzugeben, bei dem der Kaufpreis dem gewichteten durchschnittlichen Kurs der vergangenen drei Monate entspricht. Nach der jüngsten Berechnung entspräche das einem Preis von 90 Euro und damit einem Abschlag auf den MAN-Kurs von Montagnachmittag.

Das erinnert an die Art und Weise, in der Piech die Kontrolle bei VW übernommen hat. Er und andere Gründer der Luxusmarke Porsche halten mindestens 31 Prozent der VW-Stimmrechte. Wirtschaftlich liegt ihr Anteil bei etwa 10 Prozent. Porsche gibt seine Absicht bekannt, die Kontrolle bei VW übernehmen zu wollen und da die 30-Prozent-Marke bereits überschritten ist, muss Porsche kein vollständiges Übernahmeangebot abgeben.

Welches Spiel spielt VW? Zunächst einmal will das Unternehmen die Scania-Technologie mit der eigenen zusammenbringen. Langfristig wird VW es wahrscheinlich anstreben, Scania mit MAN zu vereinen und dabei das eigene, weniger ertragreiche südamerikanische LKW-Geschäft mit einzubringen.

Das ganze ist geschickt eingefädelt. Es bedeutet aber nicht, dass das Kapital der VW-Aktionäre damit gut eingesetzt ist. Technologie-Kooperationen sind wünschenswert, aber VW brauchte nicht 68 Prozent der Stimmrechte, wenn der Deal für beide Seiten wirklich vorteilhaft wäre. Da scheint es plausibler, dass die jüngste Aktion von VW weniger dem Shareholder Value als vielmehr dem sportlichen Ehrgeiz von VW dient.

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