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VW und Porsche: Waffenruhe löst Führungsproblem nicht

Der erzwungene Abgang des Porsche-Chefs wird es dem größeren VW-Konzern ermöglichen, das Autogeschäft von Porsche zu übernehmen. Neue, von außen kommende Anteilseigner, werden Porsche helfen. Doch das wird nicht reichen, um eine klare Unternehmensstruktur zu schaffen.

von Pierre Briançon (breakingviews.com)

Die Informationspolitik von Porsche bleibt so zurückhaltend wie immer. Der deutsche Sportwagenproduzent verkündete um ein Uhr morgens, das er "eine Kapitalerhöhung vorbereitet" im Umfang von mindestens fünf Milliarden Euro. Das ist nicht gerade ein kleiner Schritt für eine Firma, deren Marktkapitalisierung unterhalb von neun Milliarden Euro liegt. Um kurz vor sieben kam dann die Nachricht, dass der Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking geht, zusammen mit Finanzvorstand Holger Härter. Es gab aber nicht den kleinsten Hinweis darauf, warum diese Entscheidungen nötig wurden, oder was als nächstes kommen könnte.

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Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, dass Porsche in Sachen Unternehmensführung wie ein kleinstädtisches Familienunternehmen erscheint, das einen großen Graben zwischen feindlichen Familienstämmen zuzuschütten versucht. Jeder weiß natürlich, dass der Knackpunkt der viele Monate alte Konflikt mit Volkswagen ist, dem größeren Rivalen, an dem Porsche nach und nach einen Mehrheitsanteil erwarb, was dem Unternehmen am Ende aber nur einen Schuldenberg von zehn Milliarden Euro einbrachte.

Wiedekings Rausschmiss scheint anzudeuten, dass der Gewinner im Familienstreit der 72jährige Volkswagen-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch ist. Piëch, der auch einen der Stämme der Porsche-Familie anführt, will Porsches Autogeschäft kaufen und es zu einer von zehn VW-Marken machen.

Sein Plan scheint zu sein, dass die börsennotierte Holding Porsche SE ihren 51-Prozent-Anteil an VW behält. Eine Kapitalerhöhung um fünf Milliarden Euro würde helfen, die Schulden abzubauen, zusammen mit den mehr als vier Milliarden Euro, die VW in einem ersten Schritt hinblättern könnte, um die Hälfte von Porsche zu kaufen.

Die Familien erklärten, dass sie ihren 50-Prozent-Anteil an Porsche behalten wollen. Das würde die Bereitstellung von 2,5 Milliarden Euro zusätzlichem Kapital erfordern. Einiges davon könnten sie in Form des von ihnen vollständig kontrollierten Händlernetzes einbringen.

Katar hat mit den Familien gesprochen und könnte als Investor einsteigen. Eine Investition von 2,5 Milliarden Euro würde dem Emirat 18 Prozent an einem neu aufgestellten Unternehmen Porsche bringen, wahrscheinlich unter Einschluss von Stimmrechten. Die derzeitigen Besitzer der nicht stimmberechtigten Porsche-Vorzugsaktien würden danach nur noch weniger als ein Drittel der Firma besitzen.

Dieses vorläufige Szenario lässt ziemlich viele Fragen unbeantwortet, vor allem bezüglich der Rolle Niedersachsens, dass einen mit Vetorechten verbundenen Minderheitsanteil von 20 Prozent an VW hält. Zumindest aber keimt Hoffnung auf, dass ein von außen kommender Investor dazu beitragen kann, eine Wiederholung der lähmenden Familienkonflikte der letzten Monate zu verhindern.

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