Wachovia-Deal
Wells Fargo bricht Wort

Wells Fargo-Chairman Dick Kovacevich hatte sich damit gebrüstet, keine Hilfe der US-Regierung zu benötigen, um die vom FDIC gestützte Offerte von Citigroup für die angeschlagene Wachovia zu übertreffen. Aber indem er den Betrag, den er für den Wachovia-Deal bei den Aktionären einsammelt, auf zehn Mrd. Dollar halbiert, begeht er tatsächlich Wortbruch.

Dick Kovacevich leitet die Risiken, die dem Kauf von Wachovia anhaften, an die amerikanischen Steuerzahler zurück. Vor einem Monat hatte sich der Chairman von Wells Fargo noch damit gebrüstet, dass er die Unterstützung der US-Regierung nicht brauche, um seinen angeschlagenen Konkurrenten zu übernehmen. Diese Zusicherung und eine höherer Kaufpreis hatten dazu beigetragen, dass er die Offerte der Citigroup, die mit Hilfe des US-Einlagensicherungsinstituts FDIC zustande gekommen war, für die in Charlotte ansässige Wachovia übertrumpfen konnte. Aber jetzt sieht es ganz so aus, als würde Kovacevich sein Wort brechen.

Anstatt die Aktionäre um bis zu 20 Mrd. Dollar zu ersuchen, um den Wachovia-Deal abzudecken, - das ist der Betrag, von dem er und sein Chief Executive John Stumpf ursprünglich ausgegangen waren -, will Kovacevich jetzt nur noch die Hälfte davon einsammeln.

Wieso das denn? Es ist ja nicht so, dass sich die finanziellen Voraussetzungen, die dem Geschäft zugrunde liegen, verändert hätten. Schließlich gehen die Manager von Wells Fargo immer noch davon aus, dass sie die Kreditbücher von Wachovia um rund 60 Mrd. Dollar abschreiben müssen - wobei zwei Drittel dieses Betrags zu dem Zeitpunkt zum Tragen kommen, zu dem der Deal im Dezember abgeschlossen werden soll.

Der Unterschied liegt in der Investition von Vorzugsaktion in Höhe von 25 Mrd. Dollar, die das US-Finanzministerium Wells Fargo gemäß seinem Troubled Asset Relief Programme (Tarp) genannten Rettungsplan zukommen lässt. Dieses Vorgehen hat bereits die Kapitalquoten von Wells Fargo erhöht, so dass - zumindest auf dem Papier - eine umfangreichere Aktienemission nicht mehr nötig ist. Und es ist ja auch nicht so, dass andere Banken das Tarp-Geld nicht einsetzten, um sich taumelnde Rivalen einzuverleiben - man betrachte nur die Übernahme von National City durch PNC. Aber Kovacevich hatte ein Riesentamtam darum veranstaltet, dass er in der Lage wäre, den Deal eigenständig durchzuziehen.

Zugegebenermaßen war dies schon von Anfang an ein wenig unaufrichtig, da eine unvermittelte Gesetzesänderung Wells Fargo Steuerfreijahre beschert hatte, durch die die Akquisition von Wachovia attraktiver wurde, auch wenn dadurch der Regierung vielleicht gleichzeitig Milliarden von Dollar an Steuereinnahmen verloren gehen. Wenn Kovacevich jetzt das Tarp und nicht seine eigenen Aktionäre anzapft, dann bürdet er den Steuerzahlern gleich noch mehr Risiken auf. Sicher kann der Kauf von Wachovia für alle Beteiligten einen positiven Ausgang nehmen. Aber wenn Kovacevich wirklich daran glaubt, dann hätte er mit Hilfe des Geldes seiner Aktionäre seinen Worten Taten folgen lassen sollen.

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