Wachstum
China könnte die Krise nutzen

China braucht eine Wachstumsabschwächung im Rest der Welt nicht zu fürchten. Nicht weil das Land dagegen immun wäre – ein schwächeres globales Wachstum dürfte auch das Reich der Mitte treffen. Aber eine Rezession in anderen Ländern könnte für China die Chance bedeuten, einige dringend notwendige Anpassungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen.

China braucht eine Wachstumsabschwächung im Rest der Welt nicht zu fürchten. Nicht weil das Land dagegen immun wäre - ein schwächeres globales Wirtschaftswachstum dürfte auch das Reich der Mitte treffen. Aber eine Rezession in anderen Ländern könnte für China die Chance bedeuten, einige dringend notwendige Anpassungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen, auch auf die Gefahr hin, dass das Wachstum dadurch kurzfristig schwächer ausfällt, als es den chinesischen Politikern lieb ist.

Ein weltweiter Konjunkturabschwung dürfte zunächst die chinesischen Exporte treffen. Gemessen am BIP machen sie nur ein paar Prozent aus, aber sie sind die Quelle der chinesischen Währungsreserven, die fast 2 Billionen Dollar umfassen. Ein Einbruch der Exporte könnte auch zu einer Abwertung des Yuan führen, die Inflation beschleunigen und ausländische Direktinvestitionen abschrecken. Leidtragende wären vor allem Regionen mit hohem Exportanteil, wie zum Beispiel Guangdong.

Die Politiker werden versuchen, den chinesischen Konsum anzukurbeln, um einen Teil des Nachfrageausfalls zu kompensieren. Das aber dürfte nicht so einfach sein. Zinssenkungen und Kreditanreize könnten den Bankensektor überfordern, der ohnehin schon mit schlecht laufenden Krediten überlastet ist. Ohnehin ist fraglich, ob eine solche Strategie ausreichen würde. Immobilienpreise und Aktienkurse, die dazu beitragen, dass Menschen sich so reich fühlen, dass sie auch Geld ausgeben wollen, fallen. Die Börse Shanghai hat von ihren Höchstständen vom vergangenen Jahr schon zwei Drittel abgeben müssen.

Das wiederum könnte die Regierung veranlassen, selbst in die Bresche zu springen und die Staatsausgaben zu erhöhen. Infrastrukturprojekte - Straßen und Brücken - schaffen Nachfrage und Arbeitsplätze. Aber selbst wenn solche Investitionen notwendig sind, so bleiben sie doch nur stimulierende Einzelmaßnahmen mit ungewissem Ausgang. China sollte sich den Hang zu überflüssigen Investitionen besser abgewöhnen. Das wäre ein Wandel, den China bis jetzt noch nicht vollzogen hat. Zwar steigt der prozentuale Anteil des Konsums am BIP - nach den letzten offiziellen Statistiken auf 49 Prozent im Jahr 2007 - aber hierin enthalten sind sowohl die Staatsausgaben als auch der private Konsum. Einzelindikatoren, wie zum Beispiel die chinesischen Fluglinien, die in die roten Zahlen geflogen sind, zeigen, dass der chinesische Konsum immer noch mehr einer Hauskatze als einem Raubtier gleicht.

Die Wirtschaft besser auszubalancieren, sie also unabhängiger von Exporten und Großinvestitionen zu machen, ist kompliziert und schmerzhaft. Es bedeutet, dem Exportsektor nicht mit Steuernachlässen unter die Arme zu greifen und keine Energiesubventionen mehr an die Schwerindustrie zu zahlen. Das könnte auch bedeuten, dass die Wachstumsraten für eine Weile unter die Prognosewerte fallen - der IWF geht noch davon aus, dass China im nächsten Jahr um 9 Prozent wächst. Aber Chinas Wachstumspfad könnte dadurch langfristig an Qualität gewinnen und besseren Schutz gegen Turbulenzen in der Weltwirtschaft bieten.

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