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Wachstum: Deutschland zahlt für seine Tugenden

Während der Boomjahre hielt sich Deutschland mit Ausgaben zurück, exportierte aber an Länder mit Übernachfrage. Rückläufige Exporte heißen nun, dass die Rezession Deutschland schlimmer trifft als die USA. Hilft Stimulierung? Ja, aber nicht zu viel. Die Inflationsgefahren müssen im Auge behalten werden. Genauso auch die Kosten, die durch Hilfsaktionen für weniger besonnene Nachbarn noch entstehen können.

von Ian Campbell (breakingviews.com)

Als die USA sich mit Immobiliensteroiden aufpumpten, schien Deutschland friedlich zu wachsen. Jetzt ist die Immobilienblase in den USA geplatzt und Deutschland steht vor einer tieferen Rezession als die USA. Deutschlands Problem liegt darin, dass der Erfolg der Vergangenheit auf den Ausgaben von kreditfinanzierten Ausländern, der Entwicklung der osteuropäischen Staaten und dem blinden Vertrauen der Märkte beruhte, dass das Eurozonen-Experiment nicht scheitern könne. All die selbstgefälligen Annahmen sind nun Geschichte.

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Jahrelang boomten in den USA, Großbritannien, Spanien und Osteuropa Immobilienpreise, Kreditmärkte und Konsumausgaben. Deutschland, das Warenhaus der Welt, versorgte die festlich gestimmte Gesellschaft mit den notwendigen Produkten, blieb der Party aber fern. Die Konsumausgaben der deutschen Haushalte stiegen zwischen 2000 und 2008 um 15 Prozent. Bei den Amerikanern waren es fast 50 Prozent.

Kein Wunder, dass das deutsche Wachstum versiegte, als die externe Unterstützung ausblieb. Sollte der Staat die Exportnachfrage jetzt ersetzen und dafür Schulden machen? USA und Großbritannien haben Deutschland schon zweimal zu solchen Stimulierungsmaßnahmen gedrängt und sie fordern noch mehr. Nach Schätzungen des IWF werden die Maßnahmen zur Wirtschaftsankurbelung Deutschland 2009 und 2010 insgesamt 3,5 Prozent des BIP kosten - vergleichbar mit den 3,8 Prozent des BIP in den USA.

Und das deutsche Konjunkturpaket scheint sinnvoller angelegt zu sein. Die deutschen Maßnahmen zur Stützung der Autoindustrie lassen die britischen Anstrengungen geradezu lächerlich wirken. In Großbritannien gingen die Neuwagenzulassungen im Februar um 22% p.a. zurück. In Deutschland stiegen sie, dank der Verschrottungsprämie für Altautos von 2.500 Euro, um 21,5 Prozent.

Der große Unterschied zwischen dem sächsischen und dem angelsächsischen Ansatz besteht darin, das der deutsche zu einem Haushaltsdefizit von 3 bis 4 Prozent führen wird, der amerikanische und britische aber ein Haushaltsloch von 10 Prozent verursachen wird - ein Niveau, das man in Deutschland für absolut inakzeptabel halten würde. Die Zurückhaltung ist berechtigt. Die Angelsachsen riskieren mit ihrer Orgie eine Monetisierung der Schulden und damit hohe Inflationsraten, eine Situation, die die Deutschen im Verlauf ihrer Geschichte zu fürchten gelernt haben.

Aber Deutschland hat noch andere Sorgen. Während die USA nur sich selbst retten müssen, könnte Deutschlands Beistand in der Eurozone notwendig werden. Österreich, Irland, Spanien, Portugal, Griechenland - alle stehen vor ernsthaften Problemen. Die Rechnungen für mögliche Hilfsaktionen könnten üppig ausfallen.

Deutschland hat leichten Herzens an die ausgabenfreudigen Ausländer verkauft. Die Rechnung für das Versäumnis, auf einen Teil dieser Einnahmen verzichtet zu haben, könnte Deutschland jetzt schmerzhaft in den Schoß zurückfallen.

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