Währungen
Britisches Pfund: Kursverfall hat seine guten Seiten

Erstmals seit Dezember versucht der Euro mit dem Pfund gleichzuziehen. Und auch gegen den Dollar rutscht die britische Währung ab. Was Kraft freut, nämlich ein Schnäppchen beim Cadbury-Kauf, macht deutlich, warum ein schwaches Pfund dazu dienen könnte, Investoren anzulocken und Großbritannien zu renovieren. Doch der jüngste Pfund-Sturz spiegelt auch Risiken wider.
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Erstmals seit Dezember versucht der Euro mit dem Pfund gleichzuziehen. Und auch gegen den Dollar rutscht die britische Währung ab. Was Kraft freut, nämlich ein Schnäppchen beim Cadbury-Kauf, macht deutlich, warum ein schwaches Pfund dazu dienen könnte, Investoren anzulocken und Großbritannien zu renovieren. Doch der jüngste Pfund-Sturz spiegelt Risiken wider.

Der Kursabfall hat seine guten Seiten. Wie BoE-Chef Mervyn King letzte Woche verdeutlichte, bringt eine weniger starke Währung auch Vorteile. Eine Pfundschwäche hilft Produktion, Exporten, Arbeitsmarkt und Wachstum gleichermaßen. Doch die brisante Finanzlage der Insel lässt den Schluss zu, dass man sich jetzt allzu leichtfertig von seiner Währung verabschiedet. Andernorts, speziell in der Eurozone, könnte man Kings Bemerkungen als Beweis für eine Devaluation aus Wettbewerbsgründen auslegen.

Gerüchte gehen, nach denen die Währung den Yen als Favorit der "Carry Trade" Investoren ablösen wird, die Kredite in schwachen Währungen mit niedrigen Zinssätzen aufnehmen, um in höher verzinste Währungen zu investieren.

Es gibt jedoch handfestere Gründe für die Währungsschwäche, die das Risiko verdeutlichen. Das "Quantitative Easing" Programm der BoE erfordert den Neudruck von zusätzlichen 175 Mrd. Pfund. Dem Gesetz von Angebot und Nachfrage folgend, macht eine erhöhte Menge das Pfund umso billiger.

Derzeit ist das Staatsdefizit mit 13 Prozent des BIPs so immens wie das "QE"-Programm. Noch gibt es keine Pläne, das Programm in 2010/2011 einstellen. Ist es soweit, muss das mit einer Umkehr der Stimulus-Aktionen einhergehen - und könnte leicht in einer renditefressenden Rezession münden.

Nun sucht die Regierung nach Käufern für ihre Bonds. Bislang drückte die BoE die Erträge durch den Aufkauf von Staatsanleihen mit neugedruckter Währung. Irgendwann muss das aufhören. Die britische Regierung muss eines Tages auch die Kreditaufnahme in dieser Höhe stoppen. Noch findet sich zu diesem Zustand der finanziellen Bodenständigkeit kein Königsweg. Ausländische Investoren sind besorgt. Die Gefahr besteht, dass der Fall des Pfundes in unkontrollierter Panik endet.

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