Währungsvorteile
Die Euro-Qualen halten an

Die Eurozone leidet sehr viel stärker als die USA unter der wirtschaftlichen Schrumpfung. Ein Grund dafür ist der schwache Dollar. Die billige US-Währung hilft einerseits amerikanischen Exporteuren, andererseits verteuert sie Importe in die USA. Das Gegenteil gilt für den teuren Euro. Das heißt, die Leiden der Eurozone dürften noch eine Weile andauern.
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"Ich bin ein großer Anhänger einer Politik des starken Dollar", behauptet Jean-Claude Trichet gerne von sich, aber der Präsident der Europäischen Zentralbank wäre noch glücklicher, wenn die Geschichte vom starken Dollar tatsächlich zuträfe. Der außerordentlich schwache Dollar ist die dritte Zutat zum US-Konjunkturpaket, neben der expansiven Geld- und Fiskalpolitik. Die Rezession in den USA würde weitaus schlimmer ausfallen, wenn der Dollar nicht so billig und der Euro nicht so teuer wäre.

Die US-Wirtschaft erkämpfte sich 2008 ein Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent. Aber ohne den Anstieg der Exporte um 5,4 Prozent und den Rückgang der Importe um 3,2 Prozent wäre die US-Wirtschaft um 0,8 Prozent gefallen. Der Außenhandel gab der US-Wirtschaft auch im ersten Halbjahr dieses Jahres weiter Auftrieb, während die Weltwirtschaft fast kollabierte, wobei die Importe schneller sanken als die Exporte. Der schwache Dollar macht es ausländischen Wettbewerbern schwer, auf dem riesigen amerikanischen Markt zu konkurrieren.

Das genaue Gegenteil gilt dagegen für die Eurozone. Im vierten Quartal 2008 kostete der Außenbeitrag - die Differenz zwischen Exporten und Importen - die Wirtschaften der Eurozone mehr als ein Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts. Der schwache Außenhandel ist ein Hauptgrund für die Schrumpfung des stark exportabhängigen deutschen BIP um 5 Prozent in diesem Jahr - ein doppelt so starker Rückgang wie in den USA. Die deutsche Regierung erwartet für 2010 ein Wachstum von gerade einmal 0,75 Prozent. Die Consensus-Schätzungen in den USA rechnen dort dagegen mit einem dreimal so hohen Wachstum.

Der starke Euro fordert seinen Tribut auch von den schwächeren Euroländern, die sonst weniger exportabhängig sind. Spanien und Irland leiden noch unter dem Zusammenbruch ihrer Immobilienmärkte. Sie müssen nun dringend mehr exportieren, Importe durch inländische Güter ersetzen und Touristen anlocken.

Die Hürden sind gewaltig. Der Euro ist selbst für das hyper-konkurrenzfähige Deutschland zu stark. Und Spanien, Irland und andere Länder der Euro-Peripherie haben durch Lohnerhöhungen und Preissteigerungen während der guten Jahre Wettbewerbsvorteile gegenüber Deutschland eingebüßt.

Kein Wunder also, wenn weder Spanien noch Irland der Rezession 2010 entkommen werden. Die Qualen der Eurozone werden wohl noch eine Weile fortdauern.

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