Wagniskapital
Autos aus dem Silicon Valley

Eine Hand voll Wagniskapitalgesellschaften schließt hohe Wetten auf den Niedergang der traditionellen US-Automobilindustrie ab. Nach der Insolvenz von GM könnten sich einige davon früher als erwartet auszahlen.
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Es ist zwar geschmacklos, das so zu sagen, aber für die Finanziers aus dem Silicon Valley könnte der Niedergang von Detroit eine frohe Botschaft sein. Und zwar nicht nur deshalb, weil sie so große Umweltfanatiker wären. Eine Hand voll Wagniskapitalgeber schließt umfangreiche Wetten auf die Weiterentwicklung der US-Automobilindustrie ab. Angesichts der Insolvenz von GM könnten sich einige davon bald auszahlen. Ob es sich nun um Elektro-Fahrzeuge dreht oder einfach nur um bessere Komponenten für schon bestehende Automarken - von Detroits Leid könnte das Silicon Valley auf ganz unterschiedliche Art profitieren.

Plattformen zum Bau von Elektro-Autos gehören zum heißesten Investitionssegment im Bereich der grünen Technologie. Das Start-Up Tesla, das batteriebetriebene Luxussportwagen herstellt, hat bei verschiedenen Venture Capital-Firmen und Investoren wie den Google-Gründern fast 200 Mill. Dollar eingesammelt. Nicht viel weniger hat der Konkurrent Fisker von Kleiner Perkins Caufield & Byers, einer in der Umwelttechnologie führenden Firma, und anderen bekommen.

Ohne Zweifel sind Elektro-Sportwagen angesagt. Sie könnten sich als lukrative Wette erweisen, wenn die Leute damit anfangen, ihre Benzinfresser gegen sie einzutauschen. Für das Roadster-Modell von Tesla werden die Wartelisten immer länger. Aber die Autos sind noch weit davon entfernt, sich allgemein durchzusetzen. Und in der Praxis offenbaren sich noch erhebliche Mängel. Wegen mechanischer Probleme musste Tesla jüngst für fast alle Roadster eine Rückrufaktion einleiten. Und neue Start-Ups könnten schwer zu finden sein. Die Finanzierung dafür aufzutreiben, die vollständige Fahrzeugproduktion vom Entwurf bis zum Händlernetz umzusetzen, dürfte angesichts der derzeitigen Verfassung der Kapitalmärkte schwierig werden.

Aber es gibt einfachere Wege, um Gewinne zu machen. Die Unternehmen, die die Batterien für Elektro-Autos herstellen, können ohne Kapitalrisiken von deren Erfolg profitieren. Der Produzent von Lithium-Ionen-Batterien A123 hat sich bei Wagniskapitalgebern wie Sequoia, die schon Apple und Google finanziert hatten, und Unternehmen wie General Electric über 200 Mill. Dollar beschafft.

A123 hat bereits mit Chrysler Abschlüsse zur Lieferung von Batterien für künftige Modelle unterzeichnet. Und dies könnte auch die beste Chance für Detroit sein, den hyper-effizienten Automarkt zu erobern. Der US-Bundesstaat Michigan gewährt dem Unternehmen und vier anderen Batterie-Herstellern Anreize über 530 Mill. Dollar, um ihr Geschäft in den von hoher Arbeitslosigkeit gezeichneten Staat zu locken.

Und selbst wenn sich Elektro-Autos nicht als die kommende Welle erweisen, so finanzieren die Geldgeber aus dem Silicon Valley auch Firmen, die die Komponenten benzinbetriebener Fahrzeuge aufpolieren. Achates Power, die ebenfalls von Sequoia unterstützt wird, arbeitet an einem effizienteren Diesel-Motor. In Komponenten zu investieren statt gleich in ganze Fahrzeugplattformen, steht eher im Einklang mit dem Wagniskapitalmodell, im Umfang kleinere Kapitalzusagen zu machen, um im Gegenzug messbare Erträge zu erhalten.

Der Großteil der Firmen aus dem Silicon Valley hat in den vergangenen Jahren selbst gerade eine holprige Wegstrecke zurückgelegt. Nach dem Niedergang von Detroit könnten sie nun mit Vorsprung auf eine glättere Straße einbiegen.

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